Beitrag der arabischen Kultur und Philosophie zur europäischen: Brücke zwischen Antike und Renaissance
Der Beitrag der arabischen (genauer arabisch-islamischen) Kultur zur Entstehung der europäischen Zivilisation ist nicht nur erheblich, sondern grundlegend und systembildend. In der Zeit von 800 bis 1300, als Europa die «dunklen Jahrhunderte» durchlebte, blühte auf dem Gebiet von Córdoba bis Bagdad eine intellektuelle Kultur, die nicht nur das Erbe der Antike bewahrte, sondern es kreativ weiterentwickelte und dann zurück an Europa weitergab, die Grundlagen ihrer wissenschaftlichen Revolution und des philosophischen Renessances legte.
I. Rolle des Übersetzers und Interpreten des antiken Erbes
Die Schlüsselfunktion der arabisch-muslimischen Kultur war die Bewahrung, Übersetzung und Kommentierung der griechisch-römischen Gedanken.
«Haus der Weisheit» (Bayt al-Hikma) in Bagdad (9. Jahrhundert): Unter den Kalifen al-Mamun und seinen Nachfolgern war dies der größte wissenschaftliche Zentrum, wo eine massive Arbeit zur Übersetzung der Werke von Aristoteles, Platon, Galen, Hippokrates, Euklid, Ptolemaios, Archimedes auf arabisch durchgeführt wurde. Viele dieser Texte waren in Europa verloren gegangen oder nur in fragmentarischen lateinischen Übersetzungen vorhanden.
Beispiel der «großen Kette»: Die Werke Aristoteles wurden von Griechisch auf Syrisch, dann auf Arabisch übersetzt. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden sie in den Übersetzungscentren in Toledo (Spanien) und Sizilien von Arabisch auf Latein übersetzt, oft mit Hilfe jüdischer Gelehrter (z.B. die Familie Ibn Tibbon). Ohne dieses Glied wäre der «Körper Aristoteles» in solchem Umfang für Thomas von Aquin und Albert den Grossen nicht zugänglich gewesen.
II. Philosophischer Synthese: von al-Kindi bis Averroes
Arabische Philosophen (Falasifa) kopierten nicht einfach die Griechen, sondern schufen ihre eigene synthetische Philosophie, indem sie Vernunft (akl) und Offenbarung (nakl) zu vereinigen versuchten.
Al-Farabi (872-95 ...
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