«Bürgerliche Dünnschicht»: Warum die sowjetische Zensur «Die Muhika-Tukutuka» von Kornei Tschukowskij verboten hat Eine der beliebtesten Kinderlieder, die heute jedes Kind auswendig kennt, wurde bei ihrer Entstehung von sowjetischen Beamten und Pädagogen verdächtigt. «Die Muhika-Tukutuka» von Kornei Tschukowskij, geschrieben im Jahr 1923, erreichte nicht sofort den Leser — sie wurde offiziell von der Zensur verboten und unterlag einer vernichtenden Kritik von den höchsten Stellen. Warum hat eine harmlose Geschichte über eine Mücke, die ein Geldstück fand und ein Fest veranstaltete, so großen Zorn in den parteipolitischen Kreisen ausgelöst? Und wie hat dieses kleine Meisterwerk unter den Bedingungen des ideologischen Drucks überlebt? Die erste Veröffentlichung und der sofortige Skandal Im Jahr 1923 las Kornei Tschukowskij seine neue Geschichte erstmals Freunden und Bekannten vor. Die Öffentlichkeit war begeistert: die rhythmischen Zeilen, die farbigen Bilder, die klingenden Reime — es schien, dass dies das perfekte Lesen für Kleinkinder ist. Allerdings stieß die erste Versuche, «Die Muhika-Tukutuka» zu veröffentlichen, auf ein unüberwindliches Hindernis. Der Gouvernementsliteratur- und Verlagsabteilung (Gublit), der die Funktion der Zensur übernahm, wurde kategorisch die Erlaubnis zur Veröffentlichung verweigert. In Tschukowskis Tagebuch ist eine Aufzeichnung über ein Gespräch mit der Mitarbeiterin des Gublit, Lidija Bystraja, erhalten, die dem Schriftsteller erklärte, dass die Illustrationen zur Geschichte «unangemessen» sind: der Klopfer steht zu nahe an der Mücke, sie «flirten». «Wie könnte ein Kind so verderbt sein, dass die Nähe der Mücke zum Klopfer erotische Gedanken hervorrufen würde», notierte Tschukowskij mit Bitterkeit. Aber das war erst der Anfang. Im Jahr 1924 wurde die Geschichte schließlich veröffentlicht — aber unter dem geänderten Titel «Die Muhinas Hochzeit» und mit Kürzungen. Dieser Modus gab jedoch den ideologischen Hütern nicht Ruhe. Eine rich ...
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