Einzelheit und Glück: ein paradoxes Verhältnis aus wissenschaftlicher Perspektive
Einführung: ein mehrdeutiges Phänomen
Einzelheit und Glück werden traditionell als Antonyme wahrgenommen — Zustände, die sich gegenseitig ausschließen. Allerdings zeigen moderne Studien in den Bereichen Psychologie, Neurobiologie und Soziologie eine viel komplexere, paradoxere und facettenreiche Wechselbeziehung. Es stellt sich heraus, dass Einzelheit sowohl toxisch als auch nahrhaft für die menschliche Psyche sein kann, und ihr Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden (ein wissenschaftlicher Begriff, der dem Glück nahekommt) hängt von ihrem Typ, ihrer Dauer und vor allem von ihrer Bewusstseinsschärfe ab.
Einzelheit als Schmerz: Neurobiologie der sozialen Isolation
Aus evolutionärer Sicht war die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ein Überlebensproblem. Es ist nicht verwunderlich, dass unser Gehirn Isolation als körperliche Schmerzstrafe «bestraft». Klassische Studien von Naomi Eisenberger (Universität von Kalifornien) mit Hilfe der fMRT haben gezeigt, dass bei der Erfahrung sozialer Ablehnung dieselben Gehirnbereiche aktiviert werden — die vordere Spinalglatte und die Inselregion — wie bei körperlicher Schmerz. Chronische Einzelheit löst einen Kaskade von Stressreaktionen aus: Der Cortisolspiegel steigt, die entzündliche Aktivität des Körpers verstärkt sich, der Schlaf wird gestört.
Interessanter Fakt: Ein Metaanalyse aus dem Jahr 2015, der Daten von 70 Studien und 3,4 Millionen Teilnehmern kombinierte, zeigte, dass chronische, nicht gewollte Einsamkeit (nicht durch Wahl) das Risiko vorzeitigen Todes um 26% erhöht — ein Effekt, der mit Adipositas oder dem Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag vergleichbar ist.
Ein solches zwangsweise, nicht kontrolliertes Einsamkeit ist ein mächtiger Prädiktor von Depression, Angst und einem allgemeinen Rückgang des Glücksgefühls. Es bildet einen Teufelskreis: das Gefühl der Isolation macht den Menschen überempfindlich gegenüber sozialen Bedrohungen, lässt ihn ...
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