Enid Blyton über Weihnachten: konservative Utopie in Kartonseinwand
In der Literatur von Enid Blyton (1897-1968), der beliebtesten Kinderbuchautorin des 20. Jahrhunderts, nimmt Weihnachten eine besondere, aber klar umrissene Stelle ein. Es ist nicht das Thema einzelner Romane, sondern ein unveränderlicher, wiederkehrender dekorationeller und moralischer Hintergrund, ein Element ihres idealen Weltordens. Weihnachten bei Blyton ist weder ein religiöses Geheimnis noch eine Zeit familiärer Konflikte, sondern eine vollendete Modell eines idealen sozialen Ordnungssystems, die konservativen, nachkriegszeitlichen britischen Werten des Mittelstandes in einer bunten, süßen und absolut sicheren Verpackung verpackt.
Chronotop der Idylle: Weihnachten als Raum eines sicheren Wunders
Die Handlung der meisten Bücher Blytons ("Die Große Fünf", "Die Fünf Geheimnisforscher", "Die Geheimgilde") spielt während der Ferien, und die Winterfeiertage sind ihr logischer Höhepunkt. Allerdings macht Blyton selten Weihnachten zum zentralen Ereignis der Intrige. Es ist eher eine Belohnung, ein finaler Akkorde nach der Enthüllung des Geheimnisses.
"Die Fünf auf der Insel der Schätze" (1942): Die Geschichte endet genau vor Weihnachten, und die Familie Quin, vereint mit ihren Freunden George und ihren Cousins, bereitet sich im Landsitz Kirrin auf das Fest vor. Dies ist nicht nur ein Ende, sondern ein Symbol der Wiederherstellung von Ordnung und familiärem Einigkeit nach den Sommerabenteuern. Die Abenteuer waren eine Prüfung, Weihnachten eine Belohnung für Treue und Mut.
Die Weihnachten im Zyklus "Weihnachtsgeschichten" (z.B. Sammlungen der 1940er Jahre): Hier tritt das Fest oft als entscheidender Moment für die Korrektur "falscher" Kinder oder die Lösung kleiner familiärer Unstimmigkeiten in Erscheinung. Das Wunder hat didaktischen Charakter: Santa, die Elfen oder einfach ein guter Erwachsener belohnen die gehorsamen und spendablen und weisen den ungehorsamen und gierigen sanft auf ihre Fehler hin.
...
Читать далее