Moderna Kinder und der Glaube an das Magische: ein wissenschaftlicher Blick auf Mythen um Santa Claus und den Weihnachtsmann
Einführung: die Beständigkeit des kulturellen Archetypen
Der Glaube an die Weihnachtsgeschenkgabenbringer – Santa Claus im Westen und den Weihnachtsmann in slawischen Ländern – stellt ein interessantes kulturelles und psychologisches Phänomen dar. Trotz der digitalen Ära und des frühen Zugangs zu Informationen zeigen diese Figuren eine erstaunliche Beständigkeit. Moderne Studien in der Kognitionspsychologie und Anthropologie des Kindes zeigen, dass der Glaube an solche Mythen nicht nur erhalten bleibt, sondern auch wichtige entwicklungsbezogene Funktionen erfüllt.
Kognitive Mechanismen des Glaubens
Aus der Perspektive der kognitiven Entwicklung befinden sich Kinder im Alter von 3–7 Jahren im Stadium, das Jean Piaget als präoperational bezeichnet hat. Für diesen Zeitraum ist der magische Realismus charakteristisch – die Fähigkeit, an ungewöhnliche Ereignisse zu glauben, ohne empirische Beweise zu benötigen. Neurobiologische Studien (z.B. die Arbeiten von Jaclyn Woolley von der Universität Texas) zeigen, dass der Gehirn dieser Altersgruppe auf neuronaler Ebene Realität und Phantasie nicht streng trennt. Interessanter Fakt: MRT-Experimente zeigen, dass bei der Beschreibung des Treffens mit dem Weihnachtsmann die gleichen Bereiche der präfrontalen Kortex aktiviert werden wie bei der Erinnerung an reale Ereignisse.
Einfluss der digitalen Umgebung
Paradoxerweise zerstört der Zugang zum Internet und zu Smartphones den Glauben nicht, sondern transformiert ihn oft. Kinder der 2020er Jahre können gleichzeitig an den Weihnachtsmann glauben und YouTube frei nutzen. Eine Studie der Universität Cambridge (2021) unter Kindern im Alter von 4–8 Jahren in Großbritannien und Russland zeigt, dass 68% der Befragten an die Existenz des Weihnachtsgeschenkgabers glauben, trotz der Möglichkeit, «entlarvende» Informationen im Internet zu finden. Der Schlüsselfaktor war ...
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