Das Credo der Liebe von Pitirim Sorokin: Von der Soziologie des Krisis zur Ethik des Altruismus
Einführung: Der Wandel von der Analyse der Katastrophen zur schaffenden Kraft
In der späten Phase seines Schaffens (1950-1960er Jahre) vollzog Pitirim Sorokin, Gründer des Soziologischen Fachbereichs an der Harvard University und Autor des grundlegenden Werks «Soziale und kulturelle Dynamik», einen radikalen intellektuellen Wandel. Von einem Diagnostiker globaler Krisen und wechselnder Kulturtypen wandelte er sich in einen Prediger und Forscher der rettenden Kraft der altruistischen Liebe. Dieses «Credo der Liebe» war kein emotionaler Ausbruch, sondern ein wissenschaftlich und philosophisch begründeter Projekt, das die Menschheit aus dem Dilemma der sinnlichen (materialistischen) Kultur führen sollte, die, seiner Meinung nach, zum Selbstzerstörung führt.
Theoretische Grundlagen: Krisis der sinnlichen Kultur und «Schmelztiegel der Prüfung»
Sorokin glaubte, dass die westliche Zivilisation (und der sowjetische Block in seiner materialistischen Komponente) das Ende der Entwicklung der sinnlichen Supersystem erreicht hatten. Ihre Merkmale: Dominanz des Empirismus, Utilitarismus, Hedonismus, Relativismus der Moral. Der Ausgang aus der Krise könnte, nach seiner zyklischen Theorie, der Übergang zu einer idealistischen (geistigen) oder, was bevorzugt ist, zu einer integralen Kultur sein, die die besten Eigenschaften beider synthetisiert. Liebe, in seinem Verständnis, ist der Schlüsselagent dieses Übergangs. Pitirim Sorokins persönliches Erlebnis (Gefängnis unter dem Zarenregime, Todesurteil durch die Bolschewiki, Emigration) überzeugte ihn, dass Geschichte nicht nur durch Konflikte, sondern auch durch Akte der Solidarität und Selbstopferung vorangetrieben wird, die er als «kreative Kräfte der altruistischen Liebe» bezeichnete.
Begriff und Klassifikation der Liebe: Ein wissenschaftlicher Ansatz zur Transzendenten
Sorokin gab ein streng soziologisches und phänomenologisches Definiti ...
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