Feiern Haustiere den Neujahr? Ethologie und Physiologie des Feiertagsstress
Es gibt keine direkte, bewusste Feier, wie beim Menschen, bei Haustieren. Dennoch ändern sich ihr Verhalten und ihre Physiologie während der Neujahrstage erheblich. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies keine «Feier», sondern eine komplexe Reaktion auf einen starken Stressfaktor, manchmal mit Elementen positiver Verstärkung. Die Analyse dieses Zustands erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der Ethnologie, Veterinärphysiologie und Psychologie umfasst.
Neurophysiologie und Stress: das Feuerwerk als Superreiz
Der Schlüsselnegativer Faktor sind Feuerwerkskörper und Raketen. Für das Tier ist das nicht nur ein lauter Geräusch, sondern ein komplexer extremer Reiz.
Hörsinn. Der Hörvermögen von Hunden und Katzen ist erheblich schärfer als beim Menschen. Sie nehmen ein breiteres Frequenzspektrum wahr (bis zu 60-65 kHz bei Hunden gegenüber 20 kHz beim Menschen) und leisere Geräusche. Der Knall einer Rakete ist für sie nicht nur «Bum», sondern ein schmerzhafter akustischer Schlag, der sensible Strukturen im Innenohr verletzt. Bei Nagern und Vögeln (Papageien, Kanarienvögel) kann die Reaktion noch schärfer sein, bis hin zum tödlichen Ausgang durch Herzversagen (Tachykardie, ausgelöst durch Angst).
Aktivierung der Achse «Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenmark» (HPA-Achse). Ein plötzlicher lauter Laut löst einen Kaskade von hormonellen Reaktionen aus. Es werden Cortisol (Stresshormon) und Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin) freigesetzt. Dies führt zu:
Erhöhtem Herzschlag und Atemzug.
Erhöhtem Blutdruck.
Muskulärem Tremor.
Erweiterung der Pupillen.
Unkontrolliertem Harn- und Kotabgang.
Verhaltensmanifestationen von Angst. Das Tier zeigt klassische Reaktionen:
Flucht/Vermeidung: Versuche, sich in der verstecktesten Stelle zu verstecken (unter der Dusche, im Schrank), oft das Bellen des Besitzers ignorierend.
Freezing: Ohnmacht, Unbeweglichkeit.
Compulsives Verhalten: sinnloses Gehen im Kreis, sich s ...
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