Der Internationale Tag des Dialogs zwischen Kulturen wird am 10. Juni gefeiert. Dieser Tag wurde 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen auf Initiative mehrerer Länder, die besorgt über den Anstieg von Xenophobie, kultureller Intoleranz und Konflikten auf religiöser Grundlage sind, eingeführt. Was aber steckt hinter dieser diplomatischen Formulierung? Der Dialog zwischen Kulturen ist nicht einfach eine höfliche Begegnung von Vertretern verschiedener Kulturen. Es ist eine Philosophie des Überlebens. In einer Welt, in der Waffen die Erde mehrere Male zerstören können und Grenzen immer durchlässiger für Informationen und Menschen werden, wird die Fähigkeit, auf Wertebasis zu verhandeln, zu einem Leben und Tod. Von den Kriegen der Kulturen zum Dialog In den 1990er Jahren stellte der amerikanische Politologe Samuel Huntington die These vom "Kollisionskurs der Kulturen" auf. Er prophezeite, dass nach dem Kalten Krieg die Hauptkonflikte nicht zwischen Nationalstaaten, sondern zwischen großen kulturellen Blöcken — westlich, islamisch, orthodox, konfuzianisch und anderen — stattfinden werden. Kritiker haben ihn des Pessimismus und der Rechtfertigung von Konflikten beschuldigt. Daraufhin entstand die Konzeption des "Dialogs der Kulturen", die vom iranischen Präsidenten Mohammad Khatami entwickelt und von der UNO unterstützt wurde. Die Idee: Unterschiede sollten nicht zu Krieg führen, sondern zur gegenseitigen Bereicherung werden. Der Dialog ist nicht der Versuch, Unterschiede auszulöschen, sondern der Versuch, damit zu leben. Nicht "du bist so wie ich", sondern "ich respektiere deine Andersartigkeit". Philosophische Grundlagen: Buber, Levinas, Bakhtin Der Dialog als philosophische Kategorie wurde von vielen Denker entwickelt. Martin Buber teilte in seinem Buch "Ich und Du" die Beziehungen in "Ich-Es" (der Mensch nimmt den Anderen als Objekt, Sache wahr) und "Ich-Du" (Begegnung von Persönlichkeiten, wahrer Dialog) ein. Für den Dialog der Kulturen muss von ...
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