Wladimir Solowjow über die Vereinigung der christlichen Kirchen: Utopie des Allединства oder prophetischer Projekt?
Wladimir Sergejewitsch Solowjow (1853–1900), einer der bedeutendsten russischen Philosophen und Theologen, betrachtete die Vereinigung der christlichen Kirchen nicht als eine eng konfessionelle oder politische Aufgabe, sondern als zentralen Bestandteil seiner metaphysischen System des Allединства und als entscheidenden Schritt im Prozess des Göttlich-Menschlichen. Seine Position, die sich im Laufe seines Lebens weiterentwickelte, stellt einen einzigartigen Synthese des orthodoxen Theologien, des katholischen Universalismus und des philosophischen Idealismus dar und bleibt eine der tiefsten und umstrittensten Konzepte in der Geschichte des christlichen Geistes.
1. Philosophischer Grundstein: Allединheit und Göttlich-Menschliches
Um Solowjows Ansicht zur Union zu verstehen, ist es notwendig, von seinen Schlüsselideen auszugehen:
Allединheit: Höchster Ideal, wo viele nicht in Zersplitterung existieren, sondern in freiem und organischem Einheit mit dem Einen (Gott). Der Schisma im Christentum ist eine direkte Verneinung des Allединheit, ein Hemmnis für die geistige Verwandlung der Welt.
Prozess des Göttlich-Menschlichen: Geschichte ist das göttlich-menschliche Kooperation zur Verwirklichung des Allединheit im materiellen Welt. Die Kirche — das Leib des Göttlich-Menschlichen Christi — muss zum aktiven Werkzeug dieser Verwandlung werden, was in einem Zustand der Entzweiung unmöglich ist.
Drei Instanzen der Öffentlichkeit: Solowjow hebt drei Kräfte in der Geschichte hervor:
Östlich (muslimisch, teils byzantinisch) — die Kraft des Einigen, das Vielfalt unterdrückt (Despotismus).
Westen (postreformatorische Europa) — die Kraft des Vielfältigen, das Einheit verneint (Individualismus, Anarchie).
Slawischer Welt (an der Spitze Russlands) — berufen, zur «dritten Kraft» zu werden, die Einheit und Freiheit, Ost und West, synthetisiert, was vor allem in de ...
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