Weihnachten in den Werken A.S. Puschkins: zwischen folkloristischem Welt und persönlicher Tragödie
Einführung: Durch das Spiegel der Folklore und des persönlichen Kalenders
Das Thema Weihnachten im Werk Puschkins ist nicht zentral im religiösen und dogmatischen Sinne, aber es ist als wichtiger kultureller, kalendrischer und erzählerischer Marker vorhanden. Puschkin nimmt Weihnachten weniger durch die Brille der kirchlichen Theologie als durch die volkstümliche, folkloristische Tradition («Heilige Drei Könige») und als Element des sozialen Lebens seiner Zeit wahr. Sein Ansatz kann als kunstlerisch-antropologisch beschrieben werden: Weihnachten interessierte ihn als Zeit, in der die gewohnten Grenzen der Welt verletzt werden, das Verhalten der Menschen sich ändert und okkulte Kräfte aktiviert werden.
Der Weihnachtszyklus («Heilige Drei Könige») als magisches Zeit
Im Werk Puschkins, insbesondere in der Prosa, tritt Weihnachten häufiger als Teil eines breiteren Zeitraums – der Heiligen Drei Könige (von der Geburt am 25. Dezember bis zur Taufe am 6. Januar nach altem Stil) auf. Dieser Zeitraum in der Volkskultur wurde als grenzüberschreitend angesehen, wenn die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Geister dünn wurde.
«Eugen Onegin» (Kapitel V, Strophen IV-X): Hier enthält sich die klassische und bekannteste Beschreibung der russischen Heiligen Drei Könige in einem adeligen Gut. Puschkin fixiert die Bräuche mit dokumentarischer Genauigkeit und warmer Ironie:
Glücksprognosen der Mädchen («In den heiligen Nächten / Sie prophezeiten ihnen / Bräutigame und Dienststellen»).
Das Singen von Liedern unter dem Teller, in denen der aus dem Teller gezogene Gegenstand die Zukunft versprach («Man nahm das Glücksbringerband / Ein Lied unter den Teller sang»).
Die Angst vor dem Jenseits («Tanja fürchtet / Geheimnisvolle Tage»).
Für Tatjana Larina werden die Heiligen Drei Könige zu einer psychologischen Kulmination: Ihr Unruhe, Neugier und Zittern vor der Geheimnis des ...
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