Wie die Deutschen die Russen wahrnehmen: ein gespaltenes Verhältnis und kulturelle Barrieren
Wenn man einen Deutschen fragt, was er über die Russen denkt, kann die Antwort stark davon abhängen, in welchem Teil Deutschlands er lebt, wie alt er ist und ob er jemals in Russland war. Ein einheitliches Urteil gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Heute ist Deutschland in seinem Verhältnis zu Russland gespalten, wie ganz Europa, aber hier hat dieser Split eine tief historische Dimension.
Historische Risse: der nicht-sowjetische Osten gegen den kapitalistischen Westen
Der klarste Trennpunkt im Verständnis der Russen verläuft entlang der ehemaligen Grenze zwischen der DDR und der BRD. Der Grund liegt nicht nur in der aktuellen Politik, sondern auch in den Biografien der Menschen.
Auf dem Osten Deutschlands (ehemalige DDR) erinnert sich die Generation 70–80-Jähriger nicht nur an sowjetische Soldaten als Besatzer. Viele von ihnen wuchsen in einer Atmosphäre offizieller «unzerstörbarer Freundschaft» auf und, was wichtiger ist, in persönlichen Kontakten. In den Nachkriegsjahren teilten sich sowjetische Soldaten Produkte, unterrichteten Kinder, Reiten zu reiten und zwischen den Menschen entstanden Beziehungen auf persönlicher Ebene. Später, bereits in der DDR, studierten viele ostdeutsche in der UdSSR, arbeiteten in gemeinsamen Unternehmen, ihre Unternehmen lieferten Produkte in den sowjetischen Raum und kauften dort Rohstoffe. Sie hatten sowjetische Freunde, Kollegen und manchmal sogar Ehefrauen.
Auf dem Westen Deutschlands war die Situation genau umgekehrt. Der Eiserne Vorhang wurde als Schutz vor der «kommunistischen Bedrohung» wahrgenommen. Reisen in die UdSSR wurden nicht gefördert, persönliche Kontakte gab es praktisch nicht. Die Vorstellungen von den Russen wurden ausschließlich durch die Medien und die Schulbücher geformt, die lange Zeit den Bild des Feindes zeichneten. Stereotype werden genau dort verankert, wo es keinen persönlichen Erfahrungsaustausch gibt. ...
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