Das Thema der Umsiedlung ehemaliger Nazis und ihrer Helfer in die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg ist eine der komplexesten und moralisch umstrittensten Seiten der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die genaue Anzahl der Ankömmlinge kann aufgrund der systematischen Vereinheitlichung von Dokumenten, der Verwendung von Pseudonymen und der gezielten Geheimhaltung der Operationen nicht genau bestimmt werden. Historiker sind sich jedoch einig, dass es sich um viele Hunderte, möglicherweise sogar Tausende von Menschen handelt. Ihre Migration war nicht spontan, sondern das Ergebnis der Maßnahmen verschiedener Regierungsbehörden, die ihre eigenen strategischen Interessen im Anfang der Kalten Kriegszeit verfolgten.
Operation «Skalpell»: Wissenschaftler für den neuen Krieg
Die bekannteste und gut dokumentierte Programm ist die Operation «Skalpell», die von den amerikanischen Geheimdiensten und der Regierung initiiert wurde. Ihr offizielles Ziel war die Werbung führender deutscher Wissenschaftler, Ingenieure und technischer Spezialisten, die früher für den Dritten Reich gearbeitet haben. Die amerikanische Administration befürchtete, dass diese wertvollen Talente in die Hände des sowjetischen Gegners fallen könnten. Zu den zu werbenden zählten die Schöpfer der Rakete «Faust-2» unter der Leitung von Werner von Braun, Flugzeugkonstrukteure, Chemiker und Physiker, deren Kenntnisse für die nationale Sicherheit und den «Weltraumwettlauf» als lebenswichtig angesehen wurden. Dabei wurde ihr nationalsozialistisches Vergangenheit und mögliche Beteiligung an Kriegsverbrechen oft verdrängt oder absichtlich vertuscht. Lücken in den Biografien wurden bereinigt, und Einreisevisa wurden über die festgelegten Quoten und Einwanderungsgrenzen für ehemalige Mitglieder der NSDAP umgangen.
Zusammenarbeit mit der Geheimdiensten
Parallel zur Werbung von Wissenschaftlern wurde eine aktive Arbeit daran unternommen, ehemalige Offiziere und Agenten der deutschen Geheimdienste, insbesondere a ...
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