24. Dezember in der Tradition der lutherischen und anderen protestantischen Kirchen: zwischen Wort, Lied und heimischem Herd
Einführung: Die Reformation am Heiligen Abend
Der Zugang zum Heiligen Abend in den Traditionen, die aus der Reformation hervorgegangen sind (Lutheranismus, Calvinismus/Reformiertentum, Anglikanismus, Methodismus, Baptismus u. a.), hat sich in der Auseinandersetzung mit der katholischen Praxis und unter dem Einfluss der Schlüsselprinzipien herausgebildet: Priorität des Wortes Gottes (sola Scriptura), Vereinfachung der Liturgie, Akzent auf dem häuslichen Glauben und der inneren, nicht äußeren, Religiosität. Dies führte nicht zur Abschaffung des Festes, sondern zu seiner radikalen Neubewertung, bei der die Hauptakteure nicht der Priester am Altar, sondern der Pastor auf der Kanzel, der Organist auf den Chören und der Familienvater am häuslichen Altar wurden.
Lutherische Tradition: Christvesper und der Baum des Lebens
Der Lutheranismus, der am nächsten an der katholischen Liturgik steht, hat eine der einflussreichsten Modelle geschaffen.
Christvesper (Rождественская вечерня): Das Hauptgottesdienst am 24. Dezember findet tagsüber oder am frühen Abend (oft um 16-17 Uhr) statt. Dies ist keine Mitternachtsmesse, sondern eine Vesper, die von Musik und Predigt geprägt ist. Ihr Höhepunkt ist das Singen von Weihnachtsliedern (Weihnachtslieder) bei Kerzenschein. Die Predigt konzentriert sich auf die Christologie und den Segen der Gnade.
Hausandacht (Hausandacht): Nach oder anstelle des Gottesdienstes (insbesondere im skandinavischen Lutheranismus) findet ein häusliches Gottesdienst in der Nähe des Weihnachtsbaums statt. Der Familienvater liest die Weihnachtsgeschichte aus dem Evangelium nach Lukas (2:1-20), Lieder werden gesungen («Stille Nacht» wird oft hier gesungen), Gebete werden gesprochen. Dies ist die Verkörperung der Idee des «allgemeinen Priestertums» — jeder Familienvater wird zum Pastor für seine Familienmitglieder.
Ritus des Baumzündens: Genau ...
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