Relevanz der Ideen Dietrich Bonhoeffers im 21. Jahrhundert: Theologie für einen «reifen Welt»
Einleitung: Bonhoeffers als Denker der postsäkularen Ära
Dietrich Bonhoeffers (1906–1945) — deutscher lutherischer Pastor, Theologe und Teilnehmer eines antinazistischen Komplotts, hingerichtet kurz vor Kriegsende. Seine Ideen, formuliert in einem extrem engen und tragischen Zeitraum (in Haftbriefen und Aufzeichnungen), gehen weit über das christliche Widerstandskampf gegen den Totalitarismus hinaus. Bonhoeffers Denken hat die zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorhergesehen: den Krisen des institutionellen Glaubens, die Suche nach Ethik im «Welt ohne Gott», die Herausforderungen des technologischen Fortschritts und die Notwendigkeit verantwortungsvollen Handelns in Zeiten globaler Bedrohungen. Seine Überlegungen über das «religionslose Christentum», die «billige und teure Gnade», den «reifen Welt» klingen heute mit einer bemerkenswerten Schärfe.
1. «Religionsloses Christentum» und der Krisen der traditionellen Institutionen
Bonhoeffers Beobachtung der Säkularisierung Europas führte zu einem radikalen Schluss: Die Ära der «Religion» als sozialer System, das menschlichen Bedürfnissen (insb. der «Notwendigkeit an Gott») gerecht wird, ist zu Ende. Er schrieb über den «reifen Welt», der nicht mehr auf die Hypothese Gottes angewiesen ist, um die Welt zu erklären.
Relevanz: Heute beobachten wir nicht nur den Rückgang aus den Kirchen, sondern einen Krisen des Vertrauens in alle hierarchischen Institutionen, einschließlich religiöser. Bonhoeffers Vorschlag, die Essenz des Christentums nicht in Ritualen und Dogmen zu suchen, sondern in dem «Existenz-für-andere» nach dem Beispiel Christi, dem «Menschen für andere», ist mit den heutigen Suchen nach authentischer Spiritualität außerhalb formaler Rahmen, einer Ethik, die auf Solidarität und Dienstleistung und nicht auf konfessioneller Zugehörigkeit basiert, in Einklang. Seine Ideen sind vielen Vertretern der Generation «sp ...
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