Alain Touraine über die Soziologie nach der Soziologie: Von der Gesellschaft zum Subjekt
Einführung: Krise der klassischen Paradigma
Alain Touraine (geb. 1925), einer der führenden französischen Soziologen der zweiten Hälfte des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts, hat in seinen späten Werken («Soziologie», «Kritik der Moderne», «Denken anders», «Nach dem Krisis» u. a.) einen radikalen Thesen aufgestellt, dass die Überwindung der «klassischen Soziologie» notwendig ist, deren intellektuelle Mission, seiner Meinung nach, erschöpft ist. Diese klassische Soziologie, die auf Durkheim, Marx und Weber basiert, war, nach Touraine, «Soziologie der Gesellschaft»: Sie betrachtete soziale Fakten als Dinge, untersuchte Institutionen, Strukturen und Systeme, und erklärte das Verhalten der Individuen durch das Handeln externer sozialer Kräfte (Klasse, Normen, Rationalisierung). Touraine behauptet, dass in der späten Moderne (oder Postmoderne) die Gesellschaft als Ganzheit, eine integrierte System, das durch klare Gesetze gelenkt wird, nicht mehr existiert. Stattdessen sind fragmentierte, globalisierte Ströme von Information, Kapital und kulturellen Mustern gekommen. Daher muss die Soziologie einen neuen Gegenstand und einen neuen Methoden finden.
Schlüsselthese: Von «Gesellschaft» zu «sozialem Handeln» und «Subjekt»
Das Herzstück des Projekts «Soziologie nach der Soziologie» ist die Paradigmenänderung.
Kritik an der «Gesellschaft»: Touraine hält das Konzept «Gesellschaft» für eine meta-soziale Ideologie, ein Mythos, der die realen Konflikte und Prozesse verdeckt. Es impliziert eine gemeinsame Kultur, zentralisierte Institutionen und klare Grenzen — alles, was durch Globalisierung, Multikulturalismus und die Informationsrevolution verwischt wird. Der Soziologe kann das «französische Gesellschaft» oder das «industrielle Gesellschaft» nicht mehr als Monolithe studieren.
Neuer Gegenstand: soziale Bewegungen und kulturelle Konflikte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sollte nicht der O ...
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