Algorithmus für ein glückliches Alter: Dekonstruktion des erfolgreichen Alterns
Das Konzept von «glückliches Alter» hat sich in der modernen Wissenschaft von einem passiven Warten auf den verdienten Ruhestand zu einer aktiven Modell des «erfolgreichen Alterns» (successful aging) entwickelt. Der Begriff «Algorithmus» im Zusammenhang mit diesem Prozess erfordert jedoch eine kritische Reflexion. Im Gegensatz zu einer präzisen Abfolge von Handlungen, die zu einem garantierten Ergebnis führt, geht es hier um eine Kombination aus adaptiven Strategien, Faktoren und Praktiken, die statistisch die Wahrscheinlichkeit des psychologischen Wohlbefindens und der Zufriedenheit mit dem Leben im hohen Alter erhöhen. Diese Modell basiert auf interdisziplinären Forschungen in der Gerontologie, Psychologie, Neurobiologie und Soziologie.
1. Schlüsselkomponenten des Modells: Von Row und Kahn zu den modernen Theorien.
Die grundlegende Modell des «erfolgreichen Alterns» wurde von J. Row und R. Kahn Ende der 1980er Jahre vorgeschlagen. Sie haben drei miteinander verbundene Komponenten hervorgehoben:
Niedrige Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und Behinderungen.
Hohe kognitive und physische funktionelle Fähigkeiten.
Aktives Engagement im Leben (Engagement with life).
Kritiker des Modells haben seinen übertriebenen «Aktivismus» und Normativität bemängelt, die die Möglichkeiten des Wohlbefindens bei chronischen Erkrankungen ignoriert. Moderne Ansätze wie die Theorie der selektiven Optimierung mit Kompensation (P. Baltes) bieten einen flexibleren Szenario: Der ältere Mensch wählt bewusst Schlüsselziele (Selektion) aus, optimiert Ressourcen für ihre Erreichung und entwickelt Kompensationsmechanismen bei Verlust einiger Funktionen (z.B. das Verwenden eines Notizbuchs zur Kompensation des Rückgangs der operativen Gedächtnisleistung).
Interessanter Fakt: Das Longitudinale Harvard-Studium zur Entwicklung erwachsener Menschen, das 1938 begann und bis heute fortgesetzt wird, hat eindeutig gezeigt, das ...
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