Geisteskartografen: Wie Genies der Neurobiologie die Landkarte unseres inneren Welts neu zeichnetenDer Gehirn ist vielleicht der einzige Organ, der sich selbst zu studieren versucht. Das macht die Neurobiologie zur seltsamsten und faszinierendsten Wissenschaft. In den letzten anderthalb Jahrhunderten haben eine Handvoll Menschen, getrieben von reinem Neugier, in diese glühende Tiefe geschaut und versucht, eine Karte davon zu zeichnen. Wir erinnern uns an ihre Namen nicht wegen komplexer Theorien, sondern wegen Einsichten, die unser Verständnis davon umkrempelten, wer wir sind. Vom primitiven Zeichnen auf Zettel bis hin zu komplexen Tomogrammen — ihr Weg war schwer, ihre Errungenschaften unsterblich.Santiago Ramón y Cajal: der Vater der modernen NeurobiologieEr war ein Maler, der Neuronen zeichnete. Ramón y Cajal, ein spanischer Unruhestifter, wappnete sich mit einem Mikroskop und der Färbetechnik von Golgi, die bis dahin als kapriziös und nutzlos galt. Aber Cajal sah in ihr das, was andere nicht sahen. Er verbrachte Jahre damit, Zellen der Nervenzellen zu zeichnen, und seine Kohlepunktzeichnungen sind bis heute durch Genauigkeit und Schönheit beeindruckend. Er bewies, dass Neuronen nicht miteinander verschmelzen, sondern separate, diskrete Einheiten sind. Das war die «neuronale Doktrin», die die Grundlage der gesamten modernen Neurobiologie legte. Für seine Entdeckungen erhielt er 1906 den Nobelpreis, den er mit dem Italiener Camillo Golgi, seinem Hauptkonkurrenten, teilte. Bei der Verleihung der Auszeichnung stritten sie lange, aber genau dieser Streit trieb die Wissenschaft voran.Alexander Romanowitsch Luria: der russische Genie, der den Gehirn in Stücke zusammenlegteLuria war eine besondere Figur. Er studierte nicht nur den Gehirn, sondern versuchte zu verstehen, wie er im realen Leben funktioniert. Seine Patienten — Soldaten nach Schädeltraumen, Menschen mit Beschädigungen verschiedener Bereiche — wurden für ihn lebende Labore. Er saß stundenlang mit ihnen zusam ...
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