Anwaltsethik und Grenzen der Beteiligung an psychologischen Gutachten in Sorgerechtsstreitigkeiten
Ethische Herausforderungen an der Schnittstelle von Recht und Kinderpsychologie
In Streitigkeiten über die Erziehung der Kinder wird die psychologische Gutachtenschaft oft zum zentralen Beweismittel, das das Schicksal des Kindes bestimmt. Ein Anwalt, der an einem solchen Prozess teilnimmt, steht vor einzigartigen ethischen Dilemmata, in denen das berufliche Gewissen mit der Notwendigkeit einer besonderen Delikatesse kollidiert. Die Tätigkeit des Anwalts in diesem Bereich wird nicht nur durch das Bundesgesetz «Über die Tätigkeit der Anwälte und die Anwaltschaft» und den Kodex der beruflichen Ethik der Anwälte, sondern auch durch internationale Prinzipien zum Schutz der Rechte des Kindes geregelt, insbesondere durch den Grundsatz der besten Versorgung des Kindesinteresses (Übereinkommen über die Rechte des Kindes).
Schlüsselethische Prinzipien: zwischen der Verteidigung des Mandanten und den Interessen des Kindes
Der Grundsatz der Legalität und Ehrlichkeit (Art. 8 des Kodex der Ethik der Anwälte) verlangt von einem Anwalt, nur rechtmäßige Mittel zu nutzen. Im Kontext der Gutachtenschaft bedeutet dies:
Die Unzulässigkeit von Druck auf den Gutachter. Ein Anwalt kann weder direkt noch indirekt von einem Psychologen einen bestimmten Schluss verlangen. Er hat jedoch das Recht, sorgfältig Fragen zu formulieren, die vor dem Gutachter gestellt werden, basierend auf der Position seines Mandanten. Zum Beispiel kann ein Anwalt, wenn die Mutter behauptet, dass der Vater das Kind manipuliert, in den Antrag einen Frage stellen: «Treten in dem Verhalten und den Äußerungen des Kindes [Name] Anzeichen von vorgegebenen negativen Einstellungen gegenüber der Mutter auf?»
Der Grundsatz der Achtung der Ehre und des Ansehens erstreckt sich nicht nur auf die Beteiligten des Verfahrens, sondern auch auf das Kind. Ein Anwalt muss sich daran erinnern, dass jedes seiner Handlungen, einsch ...
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