Wunder in den Konzepten von C.S. Lewis und G.K. Chesterton: gesunder Menschenverstand, Freude und Tore zur Realität
Die Ansichten von C.S. Lewis (1898-1963) und Gilbert K. Chesterton (1874-1936) über die Natur des Wunders stellen eine einzigartige Synthese klassischer christlicher Apologetik, philosophischen Realismus und literarischem Vorstellungsvermögen dar. Beide Denker, die beide in den Christentum konvertiert sind (Chesterton — in den Katholizismus, Lewis — in den Anglikanismus), sahen im Wunder nicht eine Anomalie, sondern einen Schlüssel zur Verständnis der wahren Struktur der Realität.
Gemeinsame Grundlagen: Kritik des Naturalismus und Verteidigung des gesunden Menschenverstandes
Beide, Lewis und Chesterton, gingen von einer Kritik des nativistischen Weltbildes aus, das sie eng und selbstbegrenzt fanden. Für sie war das Wunder nicht eine "Verletzung" der Naturgesetze, sondern eine Manifestation eines tieferen und vollständigeren Gesetzes, das von dem Schöpfer ausgeht.
Chesterton verwendet in seiner Arbeit "Orthodoxy" (1908) eine starke Metapher: die Naturgesetze ähneln gewohnten Mustern auf einem Gobelin. Das Wunder ist der Moment, in dem wir die Rückseite dieses Gobelins sehen, wo die Fäden auf eine andere, komplexere Weise verflochten sind, unter der Herrschaft einer höheren Willkür. Er behauptete, dass ein Skeptiker, der die Möglichkeit des Wunders a priori ablehnt, ähnlich einem Menschen ist, der, einmal gesehen, wie ein Gärtner Rosen gießt, sicher ist, dass die Rose von selbst wächst und immer das tun wird. Sein "gesunder Menschenverstand" sagt ihm, dass die Welt nicht eine geschlossene mechanische System ist, sondern ein Schöpfung, voll von Freiheit und Überraschungen.
Lewis entwickelt in seinem Traktat "The Miracle" (1947) eine ähnliche Idee, aber in einer strengeren philosophischen Form. Er führt die Unterscheidung zwischen Natur (Schöpfung) und Übernatur (Schöpfer) ein. Die Naturgesetze beschreiben das regelmäßige Verhalten der Schöpfung. Das Wund ...
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