Arbeiter und protestantische Ethik: zwei Wurzeln eines Baumes Auf den ersten Blick scheint der russische \"Arbeiter\" — eine Person, die von Morgengrauen bis Sonnenuntergang arbeitet, ohne zu jammern und keine Belohnung zu verlangen — und die protestantische Ethik der Arbeit, die sich im 16. bis 17. Jahrhundert in Europa entwickelt hat, sind Erscheinungen aus verschiedenen Welten. Ein Produkt der bäuerlichen Gemeinschaft, der orthodoxen Bescheidenheit und des sowjetischen Heldenmutes. Der Andere — die Entstehung des Kapitalismus, des Calvinismus und des Individualismus. Aber wenn man sich genauer anschaut, entdeckt man eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen ihnen. Beide erheben die Arbeit in den Rang einer höchsten Wertschätzung. Beide verurteilen die Faulheit. Beide verbinden Arbeit mit moralischem Wert. Und beide — trotz der Unterschiede in der Herkunft — bilden einen Menschen, der sich ohne Arbeit nicht vorstellt. Also was sind ihre gemeinsamen Grenzen und wo liegt das prinzipielle Missverhältnis?Protestantische Ethik: Arbeit als Berufung und Zeichen der Wahl Die Formel der protestantischen Ethik, beschrieben von Max Weber, ist einfach: Arbeit ist nicht nur ein Weg, um zu verdienen, sondern eine Dienstleistung für Gott. Ein Mensch, der eifrig, ehrlich und erfolgreich arbeitet, zeigt seine Wahl. Erfolg in weltlichen Angelegenheiten wird zum Zeichen göttlicher Güte. Daher ist Faulheit nicht nur Faulheit, sondern ein Verbrechen. Geld, das durch Arbeit verdient wurde, sollte nicht für Luxus ausgegeben werden — es sollte neu investiert und vermehrt werden. Dies schuf den selben \"neuen Menschen\" des Kapitalismus: diszipliniert, rational, verantwortungsbewusst, auf das Ergebnis orientiert. Das Schlüsselwort hier ist \"Berufung\". Auf Deutsch ist das Wort \"Beruf\" (Beruf) etymologisch mit dem Konzept der Berufung verbunden. Das bedeutet, dass der Mensch nicht einfach Arbeit wählt — er folgt dem Willen Gottes, der ihm diesen Weg zugewiesen hat. Und genau deshalb sollte ...
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