Etymologie des Blumen Namens «Veilchen»: botanische Realität und mythologischer Narrativ
Die Etymologie des Namens der Blume «Veilchen» (Centaurea cyanus L.) stellt einen komplexen philologischen und kulturwissenschaftlichen Puzzel dar, in dem wissenschaftliche Hypothesen mit Volkstümlicher Mythologie verschlungen sind, sowie griechische Wurzeln mit slawischer Anpassung. Sein Ursprung lässt sich nicht auf eine einzige Version reduzieren, sondern spiegelt die Mehrschichtigkeit des Volksbewusstseins wider, das sich bemüht, den botanischen Fakt durch die Brille anthropozentrischer und mythopoetischer Geschichten zu verstehen.
1. Hauptwissenschaftliche Hypothese: griechische Lehnwörter über das Mittel der kirchenslawischen Sprache.
Die am festesten in der akademischen Linguistik verankerte Version führt das Wort «Veilchen» auf das griechische βασιλικός (basilikós) zurück. Hier gibt es jedoch eine entscheidende semantische Abzweigung, die zwei parallele Deutungen hervorgebracht hat:
«Königlicher» Blumen (basilikós — «königlich, betreffend den König»). Diese Version impliziert eine direkte semantische Verbindung. Das Veilchen könnte diesen Namen erhalten, weil seine leuchtende, «edle» Blau auf dem Hintergrund des Roggenfeldes hervorsticht. In der griechischen Tradition wurde das Adjektiv basilikós auf Gegenstände von außergewöhnlicher Schönheit oder Wert angewendet. Über das Medium der kirchenslawischen Sprache, wo das Wort «василий» (von griech. Βασίλειος) bereits «königlich» bedeutete, konnte sich der Name als Kalika festsetzen.
Botanische Verwirrung: von «васильска» zu «васильку». Es gibt eine weniger bekannte, aber wissenschaftlich fundierte Hypothese über eine falsche Etymologisierung. In mittelalterlichen Kräuterbüchern und Heilkundebüchern, die aus dem Griechischen übersetzt wurden, war das Name basilikón (oder lat. herba basilica) oft nicht Centaurea cyanus, sondern andere Pflanzen, wie Basilikum kraut (Ocimum basilicum) oder sogar Conium maculatum. Das Name basil ...
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