Die Spiegelung der Liebe zu England und Anglizismen in der russischen Kultur und Philosophie: von der „Anglomanie“ bis zur konzeptuellen Entlehnung
Einleitung: Das Phänomen der „Anglomanie“ als kulturelles Projekt
Die Begeisterung für England in der russischen Kultur, die sich besonders im 18. und 19. Jahrhundert deutlich zeigte, war nicht nur eine Modeerscheinung, sondern eine bewusste intellektuelle und ästhetische Wahl bestimmter Schichten des Adels und der Intelligenz. Dieses Phänomen, bekannt als „Anglomanie“, stellte eine komplexe Übernahme englischer sozialpolitischer Ideale, philosophischer Konzepte, literarischer Bilder, Alltagspraktiken und natürlich sprachlicher Einheiten – Anglizismen – dar. Es war eine Antwort auf die Suche nach einer Alternative sowohl zum französischen Einfluss (nach der Großen Französischen Revolution) als auch zum deutschen Rationalismus und spiegelte das Streben nach einem Modell pragmatischen Konservatismus, Empirismus und persönlicher Freiheit wider.
Philosophisch-politischer Vektor: liberaler Konservatismus und Parlamentarismus
Das russische Denken sah in England die Verkörperung des Ideals der „Freiheit unter dem Gesetz“. Dies zog sowohl die Slawophilen (die den englischen organischen, nichtrevolutionären Entwicklungsweg schätzten) als auch die Westler an.
Historisches Beispiel: Der berühmte Satz von Kaiser Nikolaus I., dass in Russland die Macht dem Zaren gehört, in Preußen den Beamten und in England den Gesetzen, spiegelt diese Bewunderung für den Rechtsstaat wider.
Philosophischer Aspekt: Die Werke von John Locke und David Hume hatten einen wesentlichen Einfluss auf das russische Denken. Lockes Konzept der natürlichen Rechte und die Vertragstheorie nährten liberale Ideen, während Humes Empirismus und Skeptizismus mit den Suchbewegungen russischer Philosophen resonierten, die versuchten, den deutschen Idealismus zu überwinden.
Politische Philosophie: Der englische Konservatismus Edmund Burkes, basierend auf Tradition und Prag ...
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