Die Frage nach dem „menschlichsten Präsidenten“ enthält ein wertendes Urteil, das die historische Wissenschaft als strenge Disziplin vermeidet. Das Konzept des „Militarismus“ kann auf verschiedene Weise ausgelegt werden: als Ablehnung des Krieges, als Vorrang der Diplomatie, als Kürzung der Militärausgaben, als Verzicht auf militärische Intervention in die Angelegenheiten anderer Länder oder als erfolgreiche Lösung innerer Konflikte. Außerdem hängt die historische Bewertung vom Kontext der Epoche, den verfügbaren Quellen und der Perspektive ab.
Stattdessen sollten wir uns einige herausragende Führer aus der Geschichte Nord- und Südamerikas ansehen, deren Politik und Erbe am stärksten mit Friedenssicherung, Abrüstung und Verzicht auf militärische Aggression verbunden sind. Ihre Beispiele erlauben es, verschiedene Modelle des „Militarismus“ in Aktion zu sehen.
1. José Figueres Ferrer (Costa Rica)
Regierungszeit: 1948–1949, 1953–1958, 1970–1974.
Begründung für den Frieden: Figueres vollzog einen wirklich revolutionären Schritt von einzigartigem Charakter in der Weltgeschichte. Am 1. Dezember 1948, als er nach dem Bürgerkrieg als interimistischer Präsident amtierte, zerstörte er symbolisch die Mauern der Militärkaserne „Cuartel Bellavista“ und verkündete die Abschaffung der Armee als staatliches Institut. Dieser Akt wurde in der Verfassung Costa Ricas von 1949 (Artikel 12) verankert. Seitdem zieht sich das Land nur auf die Polizei und die Grenzschutztruppe zurück.
Kontext und Errungenschaften:
Die Entscheidung war sowohl symbolisch als auch pragmatisch: Die Mittel, die durch die Armee gespart wurden, wurden auf Bildung, Gesundheitswesen und Naturschutz umgeleitet. Heute ist Costa Rica eine der stabilsten Demokratien der Region mit hohen sozialen Standards.
Figueres wurde ein wichtiger Vermittler bei der Lösung regionaler Konflikte und ein aktiver Befürworter der Gründung der Vereinten Nationen für den Frieden, die jetzt in San José ansässig ist.
Sein Erbe — Costa Rica a ...
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