Die Inkarnation des Gottes in Christentum und Islam: zwei radikal verschiedene Verständnisse einer biografischen Rahmenhandlung
Das Ereignis der Inkarnation, d.h. die Verkörperung Gottes in menschlicher Gestalt, ist ein zentraler Dogmat des Christentums und eine für den Islam absolut inakzeptable Idee. Dieses grundlegende Unterschied, der Bruch zwischen den beiden abrahamischen Religionen, geht auf ihr kernes Verständnis der Natur Gottes und seiner Verbindung mit der Welt zurück. Diese Thema muss systematisch betrachtet werden, indem theologische Grundlagen, die Interpretation derselben historischen Figuren (Jesus/Iesa und Maria/Maryam) und die Konsequenzen für die religiöse Praxis analysiert werden.
1. Christentum: Die Inkarnation als Mittelpunkt der Geschichte des Heils
In der christlichen Religion ist die Inkarnation nicht nur ein Wunder, sondern ein zentrales Ereignis der Weltgeschichte, eine ewige Entscheidung Gottes, das Menschengeschlecht zu retten.
Dogmatische Substanz: Das Wort Gottes (Logos), das zweite Glied der heiligen Dreifaltigkeit, wird von Vater ungeboren, nimmt die menschliche Natur an, verbindet sie unauflöslich und unteilbar mit der göttlichen in der Person Jesu Christi (Ihre Person). Dies wird in den Dogmaten des Chalkedonischen Konzils (451 n.Chr.) formuliert. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch in einer Person.
Ziel und Sinn: Das Ziel der Inkarnation ist das Vergebung. Gott wird Mensch, um durch Seine freiwillige Tod und Auferstehung die Sünde und den Tod zu besiegen, das gefallene Menschengeschlecht mit sich zu versöhnen und ihm die Möglichkeit des Göttlichen (Theosis) zu geben. «Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werden könne» (Heiliger Athanasius der Große).
Bedeutung der Jungfrau Maria: Maria ist nicht nur die Mutter des Propheten, sondern die Godmutter (Theotokos). Ihr Einverständnis («Sei es mir geschehen») ist die notwendige Bedingung für die Inkarnation. Ihre Jungfräulichkeit vor, während und nach der Geburt be ...
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