Der Traum kam nicht von heute auf morgen. Er reifte über Jahre, wie eine Blüte an einem dünnen Stiel. Einmal, in meiner Kindheit, sah ich eine Rose von ungewöhnlicher Schönheit bei der Nachbarin durch den Zaun. Purpurn, mit Samtblättern, sie roch so stark, dass einem schwindlig wurde. Ich bat um einen Steckling. Die Nachbarin lächelte: «Wenn du ihn großziehst, bist du ein Held». Der erste Steckling verdorrte. Darauf folgte der zweite, der dritte. Aber die Leidenschaft erlosch nicht. Jetzt, nach dreißig Jahren, kann ich mir das Leben ohne Rosen nicht mehr vorstellen. Sie wurden meine Leidenschaft, mein Schmerz, meine Ehre. Und heute werde ich Ihnen erzählen, wie ein einfaches Hobby in ein Schicksal umgewandelt wurde.Der erste Blütenknospe, oder wie ich an mich glaubteDer sechste Steckling überlebte. Das war ein Wunder: Ich tauchte ihn in Honig, wickelte ihn in Folie, setzte ihn auf das südliche Fenster. Und eines Tages sprießen winzige Blätter heraus. Und nach zwei Monaten — eine Blüte! Sie war krumm, blassrosa, ohne Duft. Aber ich weinte wie ein Kind. Ich verstand: Ich kann. Genau mit dieser Rose, die ich «Erwartung» nannte, begann meine Sammlung. Jetzt habe ich mehr als vierhundert Sorten. Aber die erste, ich erinnere mich noch daran. Sie starb an schwarzer Fleckenkrankheit in der harten Winterzeit, aber blieb im Herzen. Rosen als Geschäft: von der Leidenschaft zur BerufungSeit langem arbeite ich als Ingenieur im Werk. Rosen waren meine Oase. Abends und an Wochenenden grabte ich im Boden, pflanzte ein, beschneide. Meine Kollegen rollten mit den Augen: «Du hast was zum Tun gefunden». Aber eines Tages habe ich berechnet: Der Verkauf von Stecklingen und Bouquets bringt so viel wie mein Gehalt im Werk. Ich habe gekündigt. Es war beängstigend. Meine Frau unterstützte mich. Ich mietete einen Hof, baute Gewächshäuser. Zunächst machte ich Fehler: kaufte kranke Stecklinge, verlor Ernte durch Frost. Aber ich lernte aus meinen Fehlern. Jetzt führe ich Meisterkurse, Leute komm ...
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