E.T.A. Hoffmann und seine Weihnachtserzählungen: Demiurgie des Festes zwischen Mystik, Trauma und gesellschaftlicher Satire
Einführung: Weihnachten als Chronotop des Krisis und Wunders
Für Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776–1822) war Weihnachten kein idyllischer Familienfest, wie es in der viktorianischen Zeit dargestellt wurde. In seinem Werk ist der weihnachtliche Chronotop eine Schwelle, in der die Grenzen zwischen Realität und Illusion, Kindheit und Erwachsenen, Leben und Mechanik verwischen. Der Fest wird zur Bühne für tiefgründige psychologische Dramen, Kritik am Philister-Gesellschaft und mystische Offenbarungen. Hoffmanns Weihnachten ist nicht eine Flucht aus der Realität, sondern eine verstärkte, oft traumatische Erfahrung, in der das Wunder aus den Rissen des Alltags geboren wird.
Philosophisch-ästhetische Grundlagen: Romantischer Groteske und Zweigesichtigkeit
Hoffmann, als Vertreter des Jenaer Romantik, ging von der Konzeption der Zweigesichtigkeit aus: dem tristen, rationalen Welt der Philister und dem poetischen, geistigen Welt der Enthusiasten. Weihnachten bei ihm ist der rare Moment, in dem das Zweite in das Erste прорывается, aber nicht als beruhigende Geschichte, sondern als Schock.
Kritik am bürgerlichen Fest: In seinen Texten karikiert Hoffmann die bürgerliche Weihnachts Tradition als Konsum- und Statusdarstellung. Ein markantes Beispiel ist die chaotische Vorbereitung auf das Fest im Haus des Konsulenten der medizinischen Fakultät in «Der Sandmann»: der wilde Streifzug, der Kauf unnötiger Geschenke, das hysterische Streben nach dem «Ideal». Dies ist keine Vorbereitung auf das Wunder, sondern ein Ritual der Selbsttauschung.
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