Englischer Gesetz 2022 über Wirbeltiere als sensiblen Wesen: rechtliche Revolution oder symbolischer Akt?
Einführung: Historischer Kontext und Inhalt des Gesetzes
Das Tierwohlgesetz (Sentienz) [Animal Welfare (Sentience) Act 2022], das im April 2022 in Kraft trat, stellt ein Schlüsselereignis in der Entwicklung des rechtlichen Status von Tieren in Großbritannien und weiter in der internationalen Jurisprudenz dar. Sein Inhalt besteht darin, dass alle Wirbeltiere (sowie auf Anweisung des Ministers bestimmte Kopffüßler, wie Octopoden und Tintenfische) als sensibel angesehen werden. Das Gesetz gewährt den Tieren keine subjektiven Rechte (z.B. auf Leben, Freiheit), sondern integriert den Grundsatz der Berücksichtigung ihres Wohlbefindens in den Prozess der staatlichen Entscheidungsfindung. Dies ist eine direkte Folge des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU, wo ähnliche Bestimmungen im Vertrag von Lissabon (2009) enthalten waren, und des Bestrebens, diesen Grundsatz in nationales, spezifischeres Gesetzgebung zu verankern.
Wissenschaftliche Grundlage: Was bedeutet «Sentienz» (Sentience) im Gesetz?
Das Gesetz beruht auf modernen wissenschaftlichen Konsens in den Bereichen Neurobiologie, kognitive Ethologie und Philosophie des Bewusstseins. Sentienz wird definiert als die Fähigkeit, subjektive Zustände zu erleben: Gefühle, Emotionen, Schmerz, Leiden, Freude. Kriterien, die die Sentienz von Wirbeltieren bestätigen:
Bestehen einer komplexen Nervensystem mit einem entwickelten Gehirn, einschließlich Strukturen, die homolog zu menschlichen Zentren der Emotionen (limbische System) sind.
Pоведенчесche Reaktionen auf Schmerz und Bedrohung, die über einfache Reflexe hinausgehen (Vermeiden, Lernen auf Basis negativer Erfahrungen).
Bestehen neurophysiologischer Korrelate (Freisetzung von Cortisol bei Stress, Endorphine bei Freude).
Demonstration komplexer kognitiver Funktionen: Empathie, Selbstbewusstsein (bei einigen Arten), Fähigkeit zur Problemlösung.
Das Gesetz beschränkt sich ko ...
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