Die Weihnachtsfeier in der kulturellen Tradition der Muslime: Theologie, Geschichte und moderne Praktiken
Das Fest der Geburt Christi (25. Dezember/7. Januar) im Bewusstsein der Muslime stellt ein komplexes Phänomen dar, das an der Schnittstelle einer strengen Theologie, eines jahrtausendalten kulturellen Austausches und der Herausforderungen einer globalisierten Welt steht. Sein Verständnis ist ohne die Trennung von drei Schlüsselbereichen nicht möglich: dem dogmatischen Verhältnis zur Figur Jesu (Isa), dem historischen Erfahrungsaustausch mit christlichen Gemeinschaften und den modernen sozialen Praktiken in Zeiten religiösen Pluralismus.
1. Theologischer Grundstein: der Prophet Isa ibn Maryam
Um die islamische Position zu verstehen, muss man sich auf den Koran beziehen, wo Jesus (arab. Isa) 25 Mal erwähnt wird und eine entire Sure (19. Sure) nach seiner Mutter benannt ist — Maria. Aus islamischer Sicht:
Die Geburt Jesu ist das größte Wunder (aya). Es wird im Koran (Sure 19:16-34) detailliert beschrieben als ein Zeichen für alle Welten. Isa wurde von Maria durch das Wort Allahs («Sei!») ohne Vater geboren, was die Allmacht des Schöpfers bestätigt.
Isa ist einer der «großen» Propheten (uлю-ль-азм). Er wird als Prophet (nabi) und Botschafter (rasul) anerkannt, der Muhammad vorausging, Träger des Schriften — des Injils (Evangeliums), ein Wunderer, der Blinde und Leprakranke heilte.
Kategorisches Verwerfen der zentralen christlichen Dogmen. Die islamische Theologie lehnt die Gottheit Jesu, die Dreifaltigkeit, die Idee der Inkarnation und den Kreuzestod (nach islamischer Deutung wurde Isa in den Himmel aufgenommen, und auf dem Kreuz wurde eine andere Person gekreuzigt) kategorisch ab. Daher ist das dogmatische Inhalt des christlichen Weihnachtsfestes — die Geburt Gottes in menschlicher Gestalt — für den Islam inakzeptabel.
Wichtiger Fakt: Trotz der tiefen Verehrung Isa fehlt im islamischen Kalender ein festgelegter Feiertag zu seiner Geburt. Das Feiern von Gebu ...
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