Glück bei Tieren: Neurobiologie positiver Emotionen und ihr evolutionäres Bedeutung
Einführung: Paradigmenwechsel in der Zoopsychologie
Die traditionelle Biologie hat lange anthropomorphe Begriffe vermieden und das Verhalten von Tieren durch Instinkte, bedingte Reflexe und das Streben nach Überleben beschrieben. Allerdings hat es in den letzten drei Jahrzehnten in der kognitiven Ethologie und Neurobiologie eine Revolution gegeben. Gesammelte Daten zeigen überzeugend, dass viele Tiere komplexe emotionale Zustände, einschließlich Glücksgefühlen, erleben können, die als positives affektives Zustand in Reaktion auf günstige Reize oder Situationen auftreten. Heute ist die Untersuchung des Glücksgefühls bei Tieren ein interdisziplinärer Bereich, der sich auf strenge Kriterien stützt: beobachtbares Verhalten, physiologische Korrelate (hormonelle, neuronale) und evolutionäre Logik.
Neurobiologische Korrelate: Das allgemeine Belohnungssystem
Das zentrale Beweis für die Existenz positiver Emotionen bei Tieren ist die Existenz eines konservativen (d.h. für viele Arten gemeinsamen) Belohnungssystems des Gehirns.
Dopamin-System: Der mesolimbische Pfad spielt eine zentrale Rolle, wo Dopamin in der ventralen Region der Kortex produziert wird und in das nucleus accumbens gelangt. Die Aktivierung dieser Kette verursacht ein subjektives Gefühl von Vergnügen und Vorfreude. Studien an Ratten mit Hilfe von Mikroelektroden haben gezeigt, dass die Neuronen dieser Region nicht nur bei der Erteilung von Belohnungen (Essen, Wasser) sondern auch bei der Vorhersage des Signals "zündet".
Opioide-System: Endogene Opioide (Endorphine, Enkephaline) modulieren das Gefühl von Vergnügen und reduzieren Schmerzen. Das Spielen von Welpen oder das Grooming bei Primaten ist mit der Freisetzung dieser Substanzen verbunden, die ein Gefühl des Wohlbefindens und der sozialen Verbundenheit schaffen.
Neuroplastizität: Positives Erlebnis verändert buchstäblich den Gehirn. Bei Tieren, die in einer reichen Umgebun ...
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