Fünf Freiheiten und Fünf Bereiche des Wohlbefindens: Evolution der ethischen Paradigma in der Wissenschaft vom Tierwohl
Einführung: Von einer negativen Definition zu einem positiven Modell
Die Konzeption der «Fünf Freiheiten», formuliert 1965 von dem britischen Komitee für das Wohl der landwirtschaftlichen Tiere (Brambell Committee), wurde zum Eckpfeiler der modernen Tierrechtsbewegung und der Wissenschaft vom Tierwohl (Animal Welfare Science). Doch war sie für ihre Zeit revolutionär und reaktiv, da sie sich auf die Minimierung von Leiden konzentrierte. In den letzten beiden Jahrzehnten hat die wissenschaftliche Gemeinschaft, anerkannt, dass die «Freiheiten» unerschütterlich wertvoll sind, und eine fortschrittlichere und holistische Modell — die «Fünf Bereiche des Wohlbefindens» (Five Domains) — vorgeschlagen. Diese Evolution spiegelt den Übergang von der einfachen Vermeidung von Grausamkeit zur aktiven Sicherstellung der Lebensqualität des Tieres wider.
Konzeption der «Fünf Freiheiten»: historischer Kontext und Inhalt
Erstellt als Reaktion auf öffentliche Besorgnisse über die Haltungsbedingungen landwirtschaftlicher Tiere, formulierte das Konzept fünf grundlegende Prinzipien, die durch den Menschen gewährleistet werden sollten:
Freiheit von Hunger und Durst — durch Zugang zu frischem Wasser und einer Ernährung, um Gesundheit und Kraft zu erhalten.
Freiheit von Unbehagen — durch Bereitstellung einer angemessenen Umgebung, einschließlich Deckung und einem bequemem Schlafplatz.
Freiheit von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten — durch Prävention, schnelle Diagnose und Behandlung.
Freiheit natürlichen Verhaltens — durch Bereitstellung ausreichenden Raums, Bedingungen und Gesellschaft der Artgenossen.
Freiheit von Angst und Stress — durch Bedingungen und Behandlung, die psychische Leiden ausschließen.
Stärken und Schwächen: «Freiheiten» sicherten eine klare und verständliche Struktur für Gesetzgebung und Inspektionen (z.B. in Zertifizierungssystemen wie Welfare Qualit ...
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