Die Gemeinschaft des Kreuzes aus Nägeln in Coventry und ihre Projekte für Migranten: Von einem Symbol des Versöhnens zur Praxis der Integration
Einführung: Historischer Präzedenzfall als Mission
Die Gemeinschaft des Kreuzes aus Nägeln (The Community of the Cross of Nails) in Coventry ist ein einzigartiges Beispiel dafür, wie ein spezifischer historischer traumatischer Erfahrung in eine nachhaltige internationale humanitäre und friedensfördernde Mission transformiert wird. Ihr Ursprung geht zurück auf die tragischen Ereignisse der Nacht vom 14. auf den 15. November 1940, als der mittelalterliche Stadtzentrum und die Kathedrale St. Michael fast vollständig durch den deutschen Luftangriff (Operation Luna Sonata) zerstört wurden. Am nächsten Morgen ordnete der Vikar der Kathedrale, Richard Howard, an, zwei große Nägel aus den verbrannten Balken zu machen und sie in Form eines Kreuzes zu verbinden, und schrieb die Worte «Vater, vergib» auf die verkohlte Wand des Chors. Dieser Akt wurde zum Ausgangspunkt für Theologie und Praxis des Versöhnens, die die Grundlage für die zukünftige Gemeinschaft legte, die offiziell 1974 gegründet wurde.
1. Philosophie und Prinzipien: Drei Imperative des Versöhnens
Die Arbeit der Gemeinschaft basiert auf drei zentralen Prinzipien, die nach dem Krieg formuliert wurden:
Heilen der Wunden der Geschichte. Pastige Verletzungen anerkennen und an ihrer Überwindung arbeiten, nicht an ihrem Vergessen.
Leben mit Vielfalt und Feiern der Vielzahl. Ein aktives inklusives Gemeinwesen aufbauen, das kulturelle, religiöse und ethnische Unterschiede respektiert.
Den Frieden stärker als den Rache zu bauen. Nicht gewaltfreie Ansätze zur Konfliktlösung zu fördern, auf allen Ebenen vom interpersonalen bis zum internationalen.
Diese Prinzipien werden direkt auf die Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen übertragen, die die Gemeinschaft nicht als «Problem» betrachtet, sondern als Träger eigener historischer Verletzungen und potenzieller Bauträger eines neuen, vielf ...
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