Das Konzept des menschlichen Kapitals: Evolution der Theorie, Methodik der Messung und moderne Kritik
Das menschliche Kapital ist eine wirtschaftliche Konzeption, die die Gesamtheit der Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Gesundheit und Motivation des Individuums betrachtet, die für die Produktion wirtschaftlicher Werte genutzt werden können und für deren Bildung und Entwicklung Investitionen erforderlich sind. Dies ist nicht nur eine Metapher, sondern eine strenge analytische Kategorie, die den Blick auf die Rolle des Menschen im wirtschaftlichen Wachstum grundlegend verändert hat.
Evolution der Theorie: Von physischem Kapital zum intellektuellen
Die Ursprünge der Idee finden sich bei Adam Smith, der in «Das Wohlstand der Völker» (1776) die «erworbenen und nützlichen Fähigkeiten aller Bewohner» in den Hauptkapitalbestand einbezog. Allerdings bildete sich die Theorie erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Arbeiten dreier Nobelpreisträger heraus:
Theodor Schumpeter (1960er Jahre) brachte den Begriff in den wissenschaftlichen Diskurs ein, indem er die Nachkriegswiedergewinnung der Wirtschaften Deutschlands und Japans untersuchte. Er zeigte, dass ihr schnelles Wachstum nicht nur durch die Anhäufung physischen Kapitals erklärt werden kann; entscheidende Rolle spielten die erhaltenen Kenntnisse, Gesundheit und Fähigkeiten der Bevölkerung — das menschliche Kapital.
Gary Becker (1964, «Das menschliche Kapital») gab der Theorie eine mikroökonomische Begründung. Er betrachtete Bildung, berufliche Weiterbildung und Gesundheitswesen als Investitionen, die zukünftige Einkommen in Form eines höheren Lohns bringen. Becker berechnete mathematisch die Renditen von Bildung, zeigte ihre hohe wirtschaftliche Effizienz.
Robert Lucas (1980er Jahre) integrierte das menschliche Kapital in Modelle endogenen Wachstums. Er behauptete, dass gerade sein Anstieg (insbesondere durch Bildung und Innovation), und nicht exogene Faktoren, der Hauptmotor des langfristigen wirtsc ...
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