Thesen zur Entstehung der Kontinente: Von Mythen zur Plattentektonik
Einführung: Evolution der Vorstellungen vom Aussehen der Erde
Die Entstehung der Kontinente ist eine der grundlegenden Fragen der Erdwissenschaften. Die Antworten darauf durchliefen eine dramatische Entwicklung: von mythischen Geschichten über die Schöpfung bis zu einer strukturierten, aber weiterentwickelten wissenschaftlichen Theorie. Moderne Thesen sind nicht konkurrierende Ideen, sondern Stufen des Wissens, jede davon spiegelt den Stand der verfügbaren Daten und dominierenden philosophischen Paradigmen wider.
1. Vorwissenschaftliche und frühe wissenschaftliche Vorstellungen (bis zum 20. Jahrhundert)
Bis zur Entstehung der Geologie als Wissenschaft dominierten mythische und religiöse Konzepte, die die Vielfalt der Erdoberfläche durch den Willen der Götter oder Katastrophen (Weltuntergang) erklären. In der Zeit des Humanismus und der Aufklärung begannen sich die ersten wissenschaftlichen, aber größtenteils spekulativen Hypothesen zu formen.
Die Hypothese der Erhebung (Kontraktionshypothese): Dominierte im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie ging davon aus, dass die Erde, wenn sie abkühlt, sich zusammenzieht. Die dichtere, basaltische ozeanische Kruste komprimierte stärker, während die weniger dichte, granitische kontinentale Kruste in Falten geformt wurde, ähnlich wie die geschwollene Schale eines Apfels. Diese Hypothese erklärte die Berge, aber nicht die Lage, die Form und das geologische Ähnlichkeitsverhältnis der Küsten fernab voneinander.
Die Hypothese des «Dauerbestands der Ozeane und Kontinente»: Ihre Anhänger, wie der amerikanische Geologe James Dana, glaubten, dass die ozeanischen Becken und Kontinente ewige, unveränderliche Formationen sind. Kontinente wuchsen nur durch Akkretion (Zunahme) von Sedimentgesteinen an ihren Rändern. Diese Hypothese leugnete jede erhebliche horizontale Bewegung.
Interessantes Detail: Bereits Leonardo da Vinci, der in den Bergen Italiens versteinerte Meer ...
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