Idealischer getrennt lebender Vater nach der Scheidung: Transformation der väterlichen Rolle in der postfamiliären Realität
Einführung: Von «Sonntagspapa» zum verantwortlichen Mitelter
Die Konzeption des idealen Vaters, der nach der Scheidung von seinen Kindern getrennt lebt, hat sich radikal verändert. Der historisch etablierte Stereotyp des «Sonntagspapas», der sich auf episodische Treffen und finanzielle Überweisungen beschränkt, wird heute als unzureichend und potenziell traumatisierend für alle Beteiligten angesehen. Der moderne Ideal entsteht an der Schnittstelle zwischen rechtlichen Normen (Prinzip der gemeinsamen Erziehung), sozialen Erwartungen und Entwicklungen der Entwicklungspsychologie. Dies ist ein Modell eines verantwortlichen, engagierten und flexiblen Mitelter, der selbstständige, qualitativ hochwertige Beziehungen zu seinen Kindern außerhalb des Ehebundes aufbaut.
1. Normative Grundlage: Von Unterhaltszahlern zum Erziehungsberechtigten
Ein entscheidender Fortschritt im Recht der meisten entwickelten Länder ist der Übergang von der Modell der alleinigen Sorge (häufig der Mutter) zur Modell der gemeinsamen elterlichen Verantwortung (shared parental responsibility). Dies bedeutet, dass die Scheidung die Ehebeziehung beendet, aber nicht die elterliche Beziehung.
Ein idealer Vater aus rechtlicher Sicht ist derjenige, der:
Sein Recht auf Kontakt aktiv ausübt, den festgelegten Zeitplan einhält, aber flexibel auf Änderungen geht, die im Interesse des Kindes sind.
Am Entscheidungsprozess teilnimmt (Bildung, Gesundheit, Wohnortänderung), was die Aufrechterhaltung eines minimalen geschäftlichen Dialogs mit der Mutter erfordert.
Interessantes Detail: Forschungen im Rahmen des bindungsorientierten Ansatzes (J. Bowlby) zeigen, dass für das Kind die vorhersagbarkeit und Zuverlässigkeit der Vaterfigur nach der Scheidung entscheidend sind. Nicht so sehr die Dauer der Zeit, als vielmehr ihre Qualität und Regelmäßigkeit bilden das Gefühl der Sicherheit des K ...
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