Die Idee des Friedens und Wohlstands in Religionen: theologische Grundlagen und kulturelle Praktiken
Einführung: Schalom, Irene, Salam, Ahimsa
Die Konzepte des Friedens und Wohlstands nehmen in religiösen Systemen einen zentralen Platz ein, indem sie gleichzeitig als eschatologischer Ideal, ethischer Imperativ und soziale Utopie auftreten. Allerdings unterscheiden sich ihre Semantik und Wege der Erreichung radikal, abhängig von der grundlegenden Anthropologie, Kosmologie und Soterologie jeder Religion. Ein wissenschaftlicher Analyse ermöglicht es, nicht nur deklarative Einstellungen zu identifizieren, sondern auch strukturelle Mechanismen, durch die Religionen das Überwinden von Gewalt und das Gewährleisten von Wohlbefinden anbieten. Diese Konzepte existieren in der Dialektik zwischen dem inneren Zustand des Individuums und der Harmonie der Gesellschaft, zwischen geistigem und materiellen Wohlstand.
Abrahamische Religionen: Bund, Gerechtigkeit und das Reich Gottes
Im Judentum, Christentum und Islam sind Frieden und Wohlstand eng mit der Idee des Bundes (Vertrags) zwischen Gott und der Menschheit verbunden, dessen Erfüllung Segen bringt.
Judentum: Das Schlüsselkonzept ist «Schalom» (שלום). Dies ist nicht nur das Fehlen von Krieg, sondern Ganzheit, Vollkommenheit, Wohlstand, Harmonie in den Beziehungen zwischen Menschen und Gott. Wohlstand (materielle Segen) wird als Folge der Gerechtigkeit und des Folgens der Thora verstanden. Die Propheten (Jesaja, Micha) verkündeten die messianische Epoche des allgemeinen Friedens («...und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschlagen...» Jes. 2:4), wo soziale Gerechtigkeit eine notwendige Bedingung ist. Der Sabbat und das Jübbeljahr sind institutionelle Mechanismen zur Wiederherstellung des sozialen und wirtschaftlichen Gleichgewichts.
Christentum: Frieden («irené» - εἰρήνη) ist ein von Christus («Ich lasse euch Frieden, meinen Frieden gebe ich euch» Joh. 14:27) brachte Geschenk. Dies ist vor allem das Versöhnen des Mensche ...
Читать далее