Infantilität bei Erwachsenen: das Phänomen des „ewigen Kindes“ in der Psychologie und Gesellschaft
Infantilität im Erwachsenenalter ist nicht nur ein alltäglicher Ausdruck für einen leichtsinnigen Menschen, sondern ein komplexer psychologischer und sozial-adaptativer Phänomen. Er zeichnet sich durch die Beibehaltung von Merkmalen, Verhaltensmodellen und Denkmustern eines erwachsenen Menschen aus, die für frühere Altersphasen typisch sind. In der wissenschaftlichen Diskussion wird dieses Phänomen häufig als psychosoziale Unreife oder personliche Unreife bezeichnet, was auf seinen komplexen Charakter hinweist, der die emotionalen, volitionalen und sozialen Bereiche betrifft.
Kernmerkmale: über die Kapriolen hinaus
Infantilität äußert sich nicht in Einzelfällen, sondern in systematischen Persönlichkeitsmerkmalen:
Emotionale Regulierung (affektive Unreife): Ein erwachsener Infantiler zeichnet sich durch eine emotionale Labilität aus – schnelle, intensive, oft unangemessene emotionale Reaktionen auf Situationen (Schreie, Beschwerden, Enthusiasmus). Der externe Locus of Control dominiert: Die Schuld an Misserfolgen wird auf äußere Umstände abgewälzt («Der Chef ist pingelig», «Es geht nur anderen gut»), während Erfolge sich selbst zugeschrieben werden. Die Fähigkeit zur verzögerten Belohnung und Geduld (deferred gratification) ist minimal. Ein interessanter Fakt: neurobiologische Studien weisen auf eine mögliche Verbindung solcher Merkmale mit einer weniger aktiven Präfrontalhirncortex hin, die für die Kontrolle von Impulsen und langfristige Planung verantwortlich ist.
Kognitiver Stil: Das Denken zeichnet sich durch Egozentrismus aus – Schwierigkeit, sich in die Perspektive anderer zu versetzen. Die Welt wird durch die Brille eigener Wünsche und Bedürfnisse wahrgenommen. Es gibt ein magisches Denken – der Glaube daran, dass das Wunsches erfüllt werden kann, ohne Anstrengung oder durch äußere Kräfte («Es wird sich alles berichten», «Man wird mich retten»).
Soziale und ...
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