Tanz in den Werken Tschaikowskis: von der symphonischen Erzählung zur choreografischen Revolution
Pjotr Iljitsch Tschaikowski vollzog eine radikale Synthese der akademischen Musik und des Tanzkunstes, den Ballettgenre von der Ebene des unterhaltsamen Divertissements bis zu den Höhen der tragischen symphonischen Dramatik zu heben. Sein Tanz ist nicht nur Schmuck, sondern ein volles Sprachmittel, das die Psychologie der Charaktere, Konflikte und philosophischen Ideen ausdrückt. Dies wurde durch Innovationen im Bereich der Form, Harmonie, Orchestrierung und vor allem der Symphonisierung des Balletts erreicht.
1. Ballette Tschaikowskis: Transformation des Genres
Bevor Tschaikowski kam, diente die Musik im Ballett hauptsächlich der rhythmisch-anwendbaren Funktion. Komponisten (z.B. Puni, Minкус) schufen eine Sammlung leicht erinnungswürdiger Melodien, um den Tanz zu unterstützen. Tschaikowski, ein ausgezeichneter Symphonist, kam dem Ballett als ein musikalisches-dramatisches Werk in tanzlichen Formen näher.
«Das Schwane-Laken» (1877): Die Revolutionarität der Partitur liegt im durchgängigen symphonischen Entwickeln der Leitthemen. Der Leitthema von Odette-Odille (der von Moll in Dur wechselt) ist nicht nur eine Melodie, sondern ein Spiegel der Dualität, des Betrugs und des tragischen Zweifels. Der Tanz der kleinen Schwäne (Akt II) ist nicht nur ein choreografischer Meisterwerk, sondern auch eine musikalische Miniatur mit eigener Dramaturgie, wo die strenge kanonische Form die verhängnisvolle Marionettenhaftigkeit der verzauberten Mädchen betont.
«Die schlafende Schönheit» (1890): Hier schafft Tschaikowski eine grandiose tanzende Freske, die Elemente des klassischen Balletts, der Hoftänze (Mazurka, Gavotte) und musikalischer Charaktere vereint. Die Feen im Prolog sind nicht nur virtuose Variationen, sondern musikalische Porträts, die die Zukunft von Aurora vorhersehend. Die harmonische Mutigkeit (z.B. die Verwendung der diatonischen Tonart in dem Thema der Fee Karabos) ze ...
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