Aus Los und Valentinstag: Von ritueller Zufälligkeit zur romantischen Schicksalsdeutung
Die Verbindung von Los und Valentinstag scheint dem modernen Menschen marginal oder sogar vergessen. Tatsächlich aber liegen die archaischen Praktiken des Orakelns und des Zufallsauswahls im Ursprung des Festes, voranging seinem kommerzialisierten Romantizismus. Die Evolution von der rituellen Losziehung bis zur Idee der „schicksalhaften Begegnung“ zeigt eine tiefgreifende Transformation im Verständnis der Liebe: von sozial regulierter Zufälligkeit zu individualisiertem Prädestinieren.
1. Antike Wurzeln: Lupercalia und die römische „Liebeslotterie“
Unmittelbare Vorläufer der valentinsartigen Traditionen waren die römischen Lupercalia, die am 15. Februar gefeiert wurden. Im Rahmen dieses Fruchtbarkeitsfestes bestand ein zentraler Ritus, der insbesondere von Plutarch beschrieben wurde. Die Namen unverheirateter Mädchen wurden in eine Schale gelegt, und junge Männer zogen ein Los daraus. Die so zufällig形成的 Paare waren während des Festes Partner und manchmal auch länger.
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