Mark Schagall: Wie Farbe zur Stimme seiner Seele wurdeDie Bilder von Mark Schagall sind nicht mit denen anderer zu verwechseln. Und dabei geht es nicht nur um die fliegenden Verliebten oder die umgekehrten Häuser. Was einem sofort ins Auge fällt, wenn man seine Werke das erste Mal sieht, ist die Farbe. Schagall nutzte Farbe nicht als Mittel zur Abbildung der Realität, sondern als eigenständige Sprache. Seine Palette ist nicht nur Farben auf Leinwand, sondern seine Emotionen, seine Erinnerungen, seine Gebete, seine Liebe. Um Schagall zu verstehen, muss man seine Farbe verstehen.Schagalls blauer Farbenton: Das Himmel, das zu einem Zuhause wurdeWenn man einen Farbton wählen müsste, der mit Schagall in Verbindung gebracht wird, wäre es der Blau. Ein tief, durchdringend, fast kosmischer Blauton. Er durchzieht viele seiner Werke: von den frühen witbischen Landschaften bis zu den späten biblischen Kompositionen. Bei Schagall ist Blau nicht nur der Himmel. Es ist die Farbe der Unendlichkeit, die Farbe der Freiheit, die Farbe jenes Raumes, in dem ein Flug möglich ist.In seinem berühmten Bild «Über der Stadt» dominiert der Blau, der die schwebende Paarung umhüllt und sie über die Dächer der Heimatstadt Witebsk trägt. Dies ist kein realistisches Himmel, sondern ein himmlisches Traum, ein himmlisches Umarmen. Er sagte: «Wenn ich das blaue Himmel sehe, scheint es mir, als wäre ich schon dort». Und er brachte dieses Gefühl auf die Leinwand, machte den Blauton zur Farbe innerer Freiheit. Dies ist nicht einfach die Farbe des Hintergrunds, sondern der Zustand der Seele. Es ist bemerkenswert, dass der Blau bei Schagall nicht einheitlich ist. Er variiert von einem fast schwarzen, tragischen Blau in Werken, die sich dem Holocaust widmen, bis zu einem leicht flüchtigen, aquarellartigen Ton in Szenen der Liebe und Zärtlichkeit. Er fühlt Blau als ein lebendes Wesen, das traurig, froh, nervös oder beruhigt sein kann.Schagals roter Farbenton: Farbe des Lebens und der OpferRot in der Palette ...
Читать далее