Neujahrstraditionen der Völker des Fernen Ostens: Zwischen östlichem Kalender und sowjetischem Erbe
Einführung: Die Vielschichtigkeit des Festes
Der Fernen Osten Russlands, ein einzigartiges Gebiet mit hohem ethnokulturellen Vielfalt (slawische, urheimische tungusische-mandschurische, paläoasiatische, nivchische Völker sowie Einflüsse aus China, Korea und Japan), stellt einen komplexen Konglomerat von Neujahrstraditionen dar. Hier treffen mehrere Schichten aufeinander: der offizielle laizistische Neujahr (1. Januar), Überbleibsel der sowjetischen Ritualistik, tief verwurzelte östliche (lunare, chinesische) Neujahr mit ihrem Tierzyklus und authentische vorchristliche Bräuche der urheimischen Völker, die mit der Wintersonnenwende und dem Beginn des neuen natürlichen Zyklus in Verbindung stehen.
Urhvölker: Begegnung des neuen Sonnenlichts und der Geister der Natur
Bis zur Ankunft der russischen Siedler hatten die urheimischen Ethnien keinen Kalenderfest am Ende des Dezembers. Ihre wichtigsten Winterbräuche waren auf die Wintersonnenwende angelegt — den Moment des «Wiedergeburt des Sonnenlichts».
Nanai, Ulchi, Orochi: Der Fest «Dëlun» oder «Dëgani» war mit der Verehrung der Geister-Herrschern der Taiga, des Wassers und des Feuers verbunden. Der wichtigste Ritus war das Füttern des Feuers und der Geister der Ahnen mit ritueller Suppe oder Fladenbrot. Auf Bäume hingen aus Holz geschnitzte Figuren von Tieren («Holzidole») als Opfer für eine erfolgreiche Jagd. Ritualtänze mit Masken und speziellen summenden Schminkekleidern (zur Abweichung böser Geister) imitierten die Jagd und erfreuten die Geister.
Nivхи: Der Hauptwinterfest — «Myl-muv» («Bärfest»), konnte zu verschiedenen Zeiten stattfinden, wurde jedoch oft im Winter organisiert. Obwohl der zentrale Sinn des Festes die rituelle Ermordung und Abschiednahme des Geistes des Bären — des Herrschers der Taiga — war, enthielt es auch Elemente des Abschieds vom Alten und der Begegnung mit dem neuen Zyklus. Das Fest umfasste kom ...
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