Die persische Zivilisation ist eine der ältesten und einflussreichsten in der Geschichte der Menschheit. Ihre Wurzeln reichen bis in das 6. Jahrhundert vor Christus zurück, als Kyros der Große das Achämenidenreich schuf, das von Indien bis zu den Balkan reichte. Heute, nach 2500 Jahren, lebt das Erbe Persiens weiterhin in der Sprache, Poesie, Architektur und vor allem in der Mentalität der Iraner fort. Trotz der Islamischen Revolution von 1979, westlichen Sanktionen und der Globalisierung bleibt der persische kulturelle Code überraschend widerstandsfähig. In diesem Artikel werden wir auf eine Reise durch das moderne Iran gehen, um zu verstehen, wie die antike Zivilisation die Gedanken und Handlungen der Menschen heute prägt.Ta'aruf: ein komplexer Tanz der HöflichkeitWenn Sie nach Teheran oder Isfahan kommen, werden Sie als erstes Ta'aruf bemerken. Ein System ritueller Höflichkeit, das in den persischen Hofetikett zurückgeht. Dies ist nicht nur "Danke" und "Bitte". Dies ist die Kunst, seine eigenen Interessen zugunsten anderer abzulehnen, wobei beide Seiten wissen, dass dies ein Spiel ist. Zum Beispiel: Man lädt Sie zum Abendessen ein, Sie sagen "Nein, das ist nicht nötig, ich bin nicht hungrig", der Gastgeber beharrt darauf, Sie lehnen es noch zweimal ab, beim vierten Mal zustimmen. Oder: Sie bieten einem Gast eine Süßigkeit an, er lehnt dreimal ab, dann nimmt er sie. Ta'aruf durchzieht alle Bereiche: vom Kauf von Teppichen bis hin zu Geschäftsverhandlungen. Für einen westlichen Menschen scheint das nicht ehrlich zu sein, aber für einen Iraner ist es eine Manifestation von Respekt und das Bewahren von Ehre. Die Wurzeln des Ta'aruf liegen in der zoroastrischen Konzeption von "humata" (gute Gedanken) und der islamischen Adab. Heute ist Ta'aruf die iranische Seele.Poesie als LebenslehrerIn jedem iranischen Haus, außer im Koran, finden Sie das "Shahname" von Firdausi, den Divan von Hafiz und den "Gulistan" von Saadi. Persische Poesie ist nicht nur Literatur, sondern ein ...
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