Phänomenologie der brasilianischen Fans Der brasilianische Fan ist nicht nur ein Zuschauer auf der Tribüne. Er ist eine Figur, ein Schauspieler, ein Musiker, ein Karnevals-König. Er kommt auf das Stadion, um nicht zuzusehen, sondern mitzuwirken. Sein Stimme, sein Trommel, sein Banner sind Teil des Spiels. Den Phänomen der brasilianischen Fans untersuchen Soziologen, Anthropologen, Psychologen. Warum singen sie auch, wenn die Mannschaft verliert? Warum tanzen sie Samba auf den Tribünen? Warum haben sie keinen «Wiking-Klang», sondern «Welle» und «Carioca»? Lassen Sie uns in diese Welt eintauchen. Wurzeln im Karneval Der brasilianische Karneval ist die DNA des Fans. Der gleiche Rhythmus, die gleichen Farben, die gleiche Energie. Fußball für die Brasilianer ist das Fortsetzen des Karnevals, nur auf dem Rasen. Viele Fan-Gruppen (torcidas organizadas) haben ihre Trommelgruppen (baterias) und Sambaschulen. Sie proben ihre Choreografien auf den Tribünen so wie Tänzer auf dem Sambadrom. Wenn die Nationalmannschaft spielt, wird das Stadion in einen «Sambadrom» verwandelt. Die Fans tanzen in den Gängen, ohne auch nur einen Blick auf das Feld zu werfen. Für einen Brasilianer ist Fußball ohne Musik kein Fußball. Farben und Flaggen Gelb, Grün, Blau, Weiß. Die brasilianischen Fans malen sich und die Tribünen in die Farben der Flagge. Keine «schwarze Tod» oder «ultras» in Schwarz. Nur Leuchtkraft. Die Flaggen sind riesig, 50 Meter lang, sie werden vor dem Spiel ausgebreitet. Schals mit der Aufschrift «Brasil». Kappen in Form einer Krone. Trikots mit dem Namen Pelé oder Neymar. Es entsteht der Eindruck, dass das Stadion von einem Fest erfasst wird, selbst wenn die Mannschaft verliert. Torcida organizada: keine Rowdy, sondern Künstler In Brasilien gibt es organisierte Fan-Gruppen (torcidas organizadas). Die bekanntesten sind: «Gaviões da Fiel» (Corinthians), «Mancha Verde» (Palmeiras), «Torcida Jovem» (Flamengo). Sie ähneln nicht den europäischen Ultras. Sie streben nicht ...
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