Pilgerfahrt zur Residenz von Santa Claus/Old Man Frost: Moderne Mythologie und kultureller Tourismus
Einleitung: Vom volkstümlichen Bild zum touristischen Marke
Das Phänomen der Reise zur „offiziellen Residenz“ eines weihnachtlichen Märchencharakters stellt ein einzigartiges Phänomen der modernen Kultur dar, das an der Schnittstelle von Mythologie, Commerce, Tourismus und sozialer Psychologie liegt. Dieses „Pilgern“ (im Vergleich zum religiösen, aber im säkularen Sinne) ist keine spontane Tradition, sondern das Ergebnis einer gezielten Traditionskonstruktion (nach E. Hobsbawm) und territorialen Markenbildung. Die wissenschaftliche Analyse dieses Phänomens enthüllt die Mechanismen der Schaffung heiliger Räume in einem konsumierenden Gesellschaft.
Geographie der „heiligen Zentren“: Kampf um Authentizität
Der Welt existieren Dutzende von Standorten, die den Status des „wahren Hauses“ des Geschenkgebers beanspruchen. Ihre geografische Lage ist nicht zufällig und appelliert an verschiedene Aspekte des Mythos.
Rovaniemi (Finnland) — Hauptstadt von Santa Claus. Der erfolgreichste und bekannteste Projekt der Welt. Die Idee, dass Santa auf dem Hügel Korvatunturi in Lappland lebt, entstand in den 1920er Jahren, aber ihre Kommerzialisierung begann nach dem Besuch der ersten Frau der USA Eleanor Roosevelt im Jahr 1950. Im Jahr 1985 wurde der „Santa-Park“ und das Büro von Santa Claus eröffnet, das als „offiziell“ zertifiziert wurde. Der Schlüsselkonzept ist die arktische Exotik (Nordlichter, Elche, polare Nacht) und der Status der „wahren“ Lappland. Dies ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation nationaler Folklore (finnische Joulupukki) mit dem globalen angelsächsischen Bild von Santa.
Weriwosch (Russland) — Heimat von Grandfather Frost. Ein Projekt, das 1998 von dem ehemaligen Bürgermeister von Moskau Jurij Luschkow initiiert wurde, ist ein Beispiel für die postsozialistische Konstruktion nationaler Tradition. Die Wahl fiel auf die alte russische Stadt, deren Name an ...
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