Risiko als Preis der Freiheit: Existentialismus und LebensphilosophieRisiko. Normalerweise verstehen wir es als Wahrscheinlichkeit von Unheil. Geld, Gesundheit, Zeit, Reputation verlieren. Doch für existentialistische Philosophen und Lebensdenker ist Risiko nicht nur Gefahr. Es ist die Essenz menschlichen Daseins. Ein Mensch zu sein bedeutet zu riskieren. Nicht weil wir die Gefahr lieben, sondern weil wahres Leben ohne Risiko nicht möglich ist. Jegliche wahre Entscheidung ist ein Sprung in die Unbekannte. Jegliche Freiheit ist eine Verantwortung, die nicht kalkulierbar ist. Es ist gerade das Risiko, das das Lebendige vom Mechanischen unterscheidet. Und es ist genau durch Risiko, dass der Mensch wird, wer er sein kann.Friedrich Nietzsche: Risiko als Wille zur Macht und SelbstbehauptungNietzsche war einer der Ersten, die Risiko als lebensnotwendig rehabilitierten. Er verachtete Sicherheit und Behaglichkeit, die den Menschen schwach machen. Für ihn ist Risiko Wille zur Macht, Fähigkeit, Angst zu überwinden und neue Werte zu schaffen. Sein Übermensch ist der, der sich selbst riskiert, der nicht vor Einsamkeit und Fehler Furcht hat. Nietzsche glaubte, dass die meisten Menschen nach Trägheit leben, wie die letzten Menschen, die nur Komfort suchen. Aber wahre Leben beginnt dort, wo wir bereit sind, alles auf eine Karte zu setzen. Risiko bei Nietzsche ist nicht Strategie, sondern Lebensstil. Er wählt die Gefahr, weil nur darin der Mensch seine Festigkeit prüft und sich neu schafft. Der berühmte Satz „Sei, wer du bist“ bedeutet genau das: Risiken einzugehen, sein zu sein, anstatt ein Abbild anderer.Søren Kierkegaard: der Sprung des Glaubens und das Risiko der UnbestimmtheitKierkegaard radikalisiert die Idee des Risikos, indem er sie mit dem religiösen Entscheidungsprozess verknüpft. Sein Hauptbild ist der „Sprung des Glaubens“. Glaube ist kein Resultat von Überlegungen, sondern Risiko, das keine rationale Begründung hat. Es ist unmöglich, die Existenz Gottes zu beweisen, abe ...
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