Der Sprachkrieg und die Methoden zur Bekämpfung desselben: Linguistik, Psychologie und rechtliche Anthropologie
Einführung: Hassrede als Instrument der Entmenschlichung
Hassrede (hate speech) ist nicht nur beleidigende Lexik, sondern systematisches diskursives Gewalt, das darauf abzielt, das Bild des «Fremden» als feindliche, niedrigere oder gefährliche Gruppe zu konstruieren. Sein Ziel ist weniger, die Emotionen des Sprechers auszudrücken, als den Objekt der Hassliebe zu entmenschlichen, Diskriminierung oder Gewalt zu rechtfertigen und «seine» Gruppe zu mobilisieren. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies ein komplexes Phänomen, das an der Schnittstelle der Soziolinguistik (Sprache als soziales Handeln), der politischen Psychologie (Mechanismen der Vorurteilsbildung) und der rechtlichen Wissenschaften (Ausgewogenheit von Redefreiheit und Schutz der Würde) liegt.
1. Struktur und Mechanismen der Hassrede: Wie funktioniert der Diskurs der Hass
Die Hassrede wird durch eine Reihe von linguistischen und rhetorischen Strategien realisiert:
Essenzialisierung und Generalisierung: Der Zuschreibung der gesamten Gruppe negativer, unveränderlicher und biologisch/kulturell bedingter Merkmale («Alle [Mitglieder der Gruppe X] sind von Natur aus aggressiv/lazy/betrügerisch»). Dies ist der Verzicht auf Individualität, die den Menschen auf das Etikett der Gruppe reduziert.
Entmenschlichende Metaphern und Zoomorphismen: Das Vergleich von Menschen mit Parasiten («Kakerlaken», «Mücken»), Krankheiten («Virus», «Krebsgeschwür»), Tieren («Herde», «Schaufeln»). Diese Metaphern, wie der Historiker des Diskurses Victor Klemperer in der Analyse der Sprache der Nationalsozialisten («LTI») gezeigt hat, bereiten das öffentliche Bewusstsein auf die Rechtfertigung von Gewalt vor, da Parasiten ausgerottet und Krankheiten radikal behandelt werden.
Conspirologischer Narrativ: Der Aufbau eines Myths über einen geheimen, allmächtigen und böswilligen Komplott einer Gruppe («Weltkuppel», «globaler Komplott ...
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