Transformation des Weltbildes der Byzantiner: Von der antiken Kosmopolis zur christlichen Reich
Einleitung: Das byzantinische Weltbild als dynamischer Synthese
Das Weltbild der Byzantiner war nicht statisch; es durchlief eine tiefgreifende Transformation während einer über tausendjährigen Geschichte (IV–XV Jahrhundert). Dies war ein komplexer Prozess des Übergangs von der spätantiken Mentalität, die auf der hellenistischen Philosophie, dem römischen Recht und dem bürgerlichen Ideal basierte, zu einer extrem sakraлизierten christlichen Weltanschauung, in der Gott, der Kaiser und die Seelenrettung zentrale Kategorien wurden. Diese Transformation war nicht linear und abgeschlossen; sie fand durch ein ständiges Spannungs- und Syntheseverhältnis widerstreitender Elemente statt, das ein einzigartiges byzantinisches Phänomen schuf.
1. Von «politischem Kosmos» zu «christlicher Oikumene»:
religiöser Umbruch des 4. bis 6. JahrhundertsDer entscheidende Wendepunkt hängt mit der Annahme des Christentums durch Konstantin den Großen (313 n. Chr.) und seiner Bestätigung als Staatsreligion durch Theodosius I. (380 n. Chr.) zusammen.
Neuinterpretation von Raum und Zeit: Der antike Welt wurde als ewiger Kosmos wahrgenommen, der von einer anonymen Schicksalskraft (Moiré) oder dem Willen vieler Götter regiert wurde. Das Christentum brachte eine lineare Geschichte mit einem Anfang (Schöpfung) und einem Ende (Zweites Kommen), deren Mittelpunkt die Inkarnation war. Der Raum wurde nicht mehr neutral: Er wurde in heilig (Tempel, Kloster) und profan geteilt, und Jerusalem wurde zum Mittelpunkt der Welt.
Neue Anthropologie: Der antike Ideal des Bürgers als Helden, der sich durch Vernunft und Tugend (kalokagatia) selbst verbessert, wurde ergänzt und schließlich verdrängt durch den Ideal des christlichen Asketen, der gegen die Leidenschaften kämpft, um die Theosis zu erreichen. Die Seele wurde wichtiger als das Körper, die Rettung wichtiger als der irdische Ruhm. Allerdings wurde die neuplatonis ...
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