Aufgrund der Erinnerungen von Zeitgenossen, archivischer Daten und der Arbeiten von Historikern lassen sich mehrere Bereiche seiner Interessen und Vorlieben hervorheben.
Macht und Kontrolle als Hauptleidenschaft
Zunächst mochte Stalin Macht in ihrem absoluten, unbeschränkten Ausdruck. Sein Streben nach einem totalen Kontroll über den Staat, die Partei und das Leben von Millionen Menschen war eine dominierende Eigenschaft seines Charakters. Er fand tiefe Befriedigung an der komplexen Apparatspiel, Intrigen, dem Zusammenstoß seiner Mitstreiter und der Schaffung eines Systems, in dem nur er die Quelle der Entscheidungen und der Gnade war. Diese Leidenschaft war nicht ein Mittel zur Erreichung einer hohen Zielsetzung, sondern, nach Meinung vieler Historiker, eine Selbstzweck.
Intellektuelle und kreative Leidenschaften
Trotz seiner Härte war Stalin ein sehr gelesener und gebildeter Mann. Er schätzte und liebte Bücher. Seine persönliche Bibliothek umfasste Tausende von Bänden, viele von denen mit seinen Notizen in den Margen durchsetzt waren. Er las sowohl Klassiker des Marxismus als auch russische und ausländische Literatur, historische Werke und Memoiren. Ein besonderes Verhältnis hatte er zu den revolutionären georgischen Dichtern wie Watsa-Pschawela und zu den Werken Saltykows-Schedrins, deren Satire er hoch schätzte.
Der Kino war für ihn nicht nur ein Vergnügen, sondern auch ein mächtiges Propagandawerkzeug. Er liebte das Kino, sah persönlich viele der wichtigsten sowjetischen Filme der 1930er und 1940er Jahre und bestätigte sie persönlich. Sein Lieblingsdarsteller war Michail Gelowani, der in den ersten Bildschirmverwirklichungen seine Rolle spielte. Auch schätzte Stalin Musik, insbesondere Oper. Er besuchte oft den Grossen Theater und seine Lieblingsoper war "Iwan Suslin" von Glinka, deren patriotischer Pathos perfekt dem Geist der Zeit entsprach.
Lebensgewohnheiten und Freizeit
Im Alltag war Stalin nicht asketisch, aber auch nicht nach dem Luxus orientalischer Des ...
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