Weihe des Wassers in verschiedenen Religionen: Ritual, Symbol, Transformation
Einführung: universeller Symbol des Reinigens und des Lebens
Die Weihe (Segen, Sakralisierung) des Wassers ist einer der ältesten und am weitesten verbreiteten religiösen Rituale, das in den unterschiedlichsten Konfessionen und Traditionen vorkommt. Wasser, als Lebensquelle, Grenze zwischen Welten (Styx in der griechischen Mythologie, Jordan in der Christentum) und Symbol der Reinheit, eignet sich perfekt für die Rolle des Mediums, durch das göttliche Güte oder magische Kraft übertragen wird. Die wissenschaftliche Untersuchung dieses Phänomens erfordert ein Vergleichendes Religionswissenschaft, Anthropologie und Semiotik, da hinter dem äußeren Ähnlichkeits der Rituale tiefgreifende Unterschiede in Theologie und Kosmologie verborgen sind.
Christentum: Güte und Verwandlung der Kreatur
Die Weihe des Wassers im Christentum hat eine tief religiöse Begründung, die mit der Idee der Verwandlung der materiellen Welt durch die Inkarnation Christi verbunden ist.
Orthodoxie und Katholizismus des östlichen Ritus: Der am besten entwickelte Ritus ist die «große Wasserweihe» am Fest der Taufe Christi (Epiphanie). Laut Lehre wurde im Moment der Taufe Christi im Jordan die gesamte Wasserwelt heilig gesprochen. Der Ritus umfasst das Lesen der Prophezeiungen, dreifaches Tauchen des Kreuzes, das Segnen durch den Bischof oder den Priester. Die heilig gesprochene Wasser (Agiasma) gilt als besitzend besondere Güte, wird zum Trinken, Besprengen von Menschen, Wohnungen und Gegenständen, in die Sakramente der Kranken eingebunden. Es gibt auch ein «kleines Weihe», das im Laufe des Jahres bei den Moleben vollzogen wird. Hier wird das Wasser nicht als magisches Medium, sondern als «Medium des Sakraments», Zeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes in der Welt betrachtet.
Katholizismus des lateinischen Ritus: Die Weihe des Wassers (meistens mit Salz) erfolgt regelmäßig, oft vor der Sonntagsmesse. Das Wasser im Taufbecke ...
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