Weihnachten und Neujahr in Tirol: Archaisches und alpines Kosmos
Einleitung: Chronotop des Bergfestes
Tirol, eine historische Region in den Alpen (heute zwischen Österreich und Italien aufgeteilt), stellt ein einzigartiges kulturelles Gebiet dar, wo die Weihnachts- und Neujahrstraditionen tief archaische, vorchristliche Schichten bewahrt haben, die organisch mit der katholischen Ritualität verschmolzen sind. Dieser Synthese entsprungen ist eine besondere «tirolerische» Variante der Winterfeste, wo der Berglandschaft nicht nur als Dekoration, sondern als aktiver Teil der Rituale auftritt, der ihre Semantik und Form bestimmt. Die Erforschung dieses Phänomens erfordert einen interdisziplinären Ansatz am Übergang von Ethnologie, Religionswissenschaft und Kulturgeographie.
Advent: Zeit des «Rauchnachts» und des reinigenden Rauches
Die Vorbereitung auf Weihnachten in Tirol beginnt mit dem Advent, der durch einen der markantesten archaischen Bräuche gekennzeichnet ist — dem «Rauchnacht» (dt. Rauchnacht, «Rauchnacht») oder «Rauchnacht», die in der Regel am 5. Dezember (Vortag des Heiligen Nikolaus) und am 24. Dezember (Heilige Abende) fällt. Der Ritus besteht darin, die Häuser und Wirtschaftsgebäude mit einer glimmenden Ladane, gefüllt mit Weihrauch und heiligen Kräutern, abzugehen. Die Teilnehmer, oft verkleidet («Nocheifer»), lesen Gebete und rauchen jeden Winkel. Dieser Brauch, der auf allgemeingermanischen Reinigungspraktiken mit Feuer und Rauch vor wichtigen Zeitpunkten (Winterhexen) zurückgeht, wurde später christianisiert. Der Rauch schafft symbolisch einen schützenden Kreis, vertreibend Ungeheuer und Krankheiten, was in den harten Bedingungen der alpinen Winter praktische magisch-hygienische Bedeutung hatte.
Interessanter Fakt: In einigen hochgelegenen Dörfern ist in der «Rauchnacht» der Brauch des «Schlangenlenken» (Schlangenlenken) erhalten, bei dem die Jugend in Getöse und Knarren eine lange Leine oder Kette durch die Straßen führt, die das Vertreiben des Winte ...
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