Was ist wichtig zu wünschen, sich selbst und anderen im alten neuen Jahr: Semantik der Tradition und Psychologie sinnvoller Glückwünsche
Glückwünsche am Vorabend des alten neuen Jahres (im Waisakustag, 13. Januar) sind nicht einfach rituelle Höflichkeitsformeln. Im Rahmen der traditionellen Kultur hatten sie die Kraft prognostischer und programmierender Äußerungen und sind aus der Sicht der modernen Psychologie und Neurolinguistik Instrumente eines positiven Futurismus und der Konstruktion der gewünschten Realität. Ihr Inhalt, gesprochen in diesem spezifischen «grenzüberschreitenden» Chronotop, trägt eine besondere semantische Last.
1. Historisch-ethnografischer Kontext: Magie des ersten Tages.
Der Schlüssel zum Verständnis der Bedeutung der Wünsche liegt im volkstümlichen Verständnis des Waisakustages (14. Januar) als «stimmungsvoll» für das gesamte Jahr. In der slawischen Agrartradition war es der Tag des Zaubers für den zukünftigen Ernteerfolg und das Wohlstand. Der Ritual «Besamen» (Besamen des Hauses mit Getreide) begleitete von verbalen Formeln-Wünschen, zum Beispiel: «Zum Glück, zur Gesundheit, zum neuen Sommer!», «Ernte, Gott, alle Körner nach dem Schnitt, was nach dem Schnitt — groß, und im Feld — Heuhaufen!». Diese Handlungen und Worte waren ein magischer Akt des «Besamens» des zukünftigen Blühens. Etwas zu wünschen bedeutete aktiv am Schöpfen der Zukunft teilzunehmen, nicht passiv darauf zu warten.
Interessanter Fakt: In Polesie und anderen Regionen bestand die Tradition der «Waisakusuppe». Die Hausfrau kochte Suppe bis zum Morgen, und nach ihrem Aussehen wurden über das Jahr geweissagt: ein voller Topf und lockere Suppe versprachen Glück und Ernte, fließende durch den Rand oder dunkel — Unglück. Nach dem Orakeln wurde die Suppe gegessen, und dabei (d.h. und verstärkend) die ausgesprochenen Wünsche. Dies ist ein Beispiel für eine tiefgreifende Verbindung zwischen verbalem Wunsch, Handlung und materiellen Träger (Essen).
2. Psychologischer Mechanismus: Von ...
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